Krieg und Arbeit 591
wieder zusammenfindet, und daß sich für die Deutschen, die nun einmal iu Osterreich uud dementsprechend auch im Reichsrat iu der Minderheit sind, abermals eine Zeit schwerer nationaler und politischer Prüfungen ergiebt. Für die nächste Zeit erklären allerdings die Tschechen, sich noch nicht die Hände binden zu wollen, weil sie offenbar fühlen, daß die übrigen slawischen Volker, die ganz andre Interessen haben, sich nicht mehr als Vorspann für das uebel- hafte böhmische Staatsrecht werden mißbrauchen lassen. Es ist der tschechische Haß gegen die Verfassung, was die Vorgänge im österreichischen Reichsrat als selbstmörderisches Handeln erscheinen läßt, weil er ebenfalls im gewissen Sinne „reichsfeindliche," d.h. auf einen engern Verband mit Deutschland abzielende Bestrebungen in den .Kreisen der Alldeutschen veranlaßt. Nun ist gewiß ein engerer staatsrechtlicher oder mindestens wirtschaftspolitischer Verband zwischen Österreich und dem Deutschen Reiche denkbar, wie ihn Fürst Bismarcl für die ganze Monarchie anstrebte, aber gegen den Widerspruch des Grafen Andrassy aufgeben mußte. Daß dies aber sowohl Tschechen, Polen und Südslawen wie Klerikale als Landcspreisgelmng und Minderung des Ansehens der Dynastie brandmarken, ist von ihrem Standpunkt begreiflich. Darum würde ein dynastischeres Auftreten der Alldeutscheu Gruppe im Reichsrate den auf seine Spreuguug und auf eine Erweiterung der Länderautouomie und Landtagskompetenz abzielenden tschechischen Bestrebungen einen wirksamern Riegel vorschieben, als das oft herausfordernde schroffe Herauskehren des an sich noch so berechtigten deutschen Standpunkts.
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Krieg und Arbeit
ine Zukunftshoffnnng, die der scharfsinnige und nüchterne Kant einer gründlichen Prüfung wert und nicht ganz aussichtslos befunden hat, dürfen wir nicht kurzerhand als Utopie abthun. Utopisch wäre es allerdings, weuu wir das Aufhören der Kriege für gleichbedeutend mit dein wirklichen vollen Frieden der Menschheit nehmen wollten. Dieser ist nntcr ihren irdischen Lebensbedingungen nicht möglich. Es kann sich bei einer wissenschaftlichen Untersuchung nur um die Frage handeln, ob der Krieg in aller Zukunft zu den Mitteln gehören wird, mit denen die Menschheit ihre Jnteressenkämpfe ausficht. Bei dieser Frage verdient ein Buch, das die Abrüstungsfrage ganz nüchtern und wissenschaftlich ohne alle utopische Schwärmerei erörtert, um so mehr Beachtung, als schon sein Titel beweist, daß der Verfasser den tiefsten Grund uud die wahre Ursache der herrschenden Friedensliebe richtig erfaßt hat. Krieg und Arbeit tBerlin, Pnttkammer und Mühlbrecht, 1900) betitelt der Russe Anitchlow