350
Zur neuen Ucinalvorlage
rnngen mies starken Patriotismus; aber es ist sehr unklug, sie laut werden zu lassen, ja auch nur ernstlich solche Wünsche zu hegen, Posen wird nie zu einem freien polnischen Staat gehören, und die Landessprache wird dort die deutsche bleiben, wenigstens in den Gebieten des staatlichen Verkehrs, Dieser polnische Sieg mag vielen polnischen Damen einen patriotischen Genuß bereitet haben; ernsthafte Leute aber könnten sich sagen, daß es thöricht sei, seine Kräfte für Briefadressen zu vergeuden, während es doch Dinge von weit größerer Bedentnng und weit größerer Berechtigung giebt, nm deren Verteidigung es sich heute für sie haudelt. Aber der Pole scheint nun einmal politische Erfolge weniger ertragen zu können als Niederlagen und wird nicht bei den Briefadressen stehn bleiben, L, v, d. B r ügge»
Zur neuen Kanalvorlage
(Schluß)
n scharfem Kontrast zu dem sich aus der ganzen Vorlage aufdrängenden Eindruck beispielloser Schwäche, in die die Regierung deu agrarischen Mehrheitsparteien gegenüber geraten ist, steht die Stärke der sachlichen Gründe, die sowohl in der schriftlichen Begründung wie von den beteiligten Fachminister» in der ersten Lesung vonl 4. bis 7. Februar für die Anlage der Wasserstraße zwischen Rhein und Weichsel ins Treffen geführt worden sind. Wen» wir darauf jetzt noch etwas näher eingehn, so scheiden wir die mit der genannten Wasserstraße nicht zusammenhängenden drei dem Interesse der Laudeskultnr dieueudeu Projekte ganz aus. Es soll damit ihrer Berechtigung und Dringlichkeit nicht im geringsten zn nahe getreten werden, Sie sind besonders zu prüfeu, besonders zu beschließe». Je eher ihr nur papierner Zusammenhang mit dem Rhein-Weichselkanal zerrissen wird, nm so besser, Anch ihre Finanzierung ist ja nach der eignen Ansicht der Negierung besonders zu gestalten; nicht nur, daß der Staat hier die .Kosten 5 l'on<l8 psrdu zahlen soll, er soll sie auch aus deu laufenden Einnahmen, nicht aus Anleihen decken. Ob es gerechtfertigt ist, die Interessenten in allen drei Fällen - untere Oder, untere Havel und Spree — nur mit einem Fünftel der Kosten, statt, wie es die Regel ist und nach den Erklärungen der Negierung anch die Regel bleiben soll, mit einem Drittel zu belasten, muß unter besondrer Prüfung der Eiuzelfälle entschiedet! werden. Es wäre vielleicht richtiger gewesen und wird für die Zukunft jedenfalls wieder als das praktischere betrachtet werden müsse», daß so große Vorflntregulierungen für einzelne, voneinander so ganz unabhängige Flußgebiete anch durch besondre einzelne Gesetze beschlossen werden.