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Erlebnisse eines achtjährigen Jungen :
(Schluß)
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zuvor einen kleinen Riegel gelöst Hut, umklappen nnd in lotrechte Lage bringen kann. Eine ausgezeichnete Vorrichtung, namentlich dann, wenn es sich darum handelt, einen solchen Tisch durch eine schmalere Thür zu transportieren. Nur muß freilich vorausgesetzt werden, daß der so wichtige kleine Riegel jedesmal wieder vorgeschoben wird, wenn man den Tisch au Ort und Stelle gebracht hat.

Das mochte an jenem Abend nicht geschehn sein. Als sich mein Vater ent­fernte, uni bei einem Bekannten eine Partie Whist zu spielen, und ich meiner Frende darüber, daß man das Kalb nun austreibeu könne, durch einen affenartigen Sprung auf den Tisch Ausdruck zu geben versuchte, klappte die Platte um. Die Lampe - mau brauute damals noch Rüböl, das zur Herstellung großer daner- hnfter Fettflecke ganz besonders geeignet ist — schoß in einer durch die Richtung und Stärke des erhaltneu Stoßes veranlaßten Kurve „mit samstigem Schirme" — so meine und Synatschkes Schilderung durch den Raum und fiel mit so lautein Krach auf deu Boden, daß mein Vater, der uoch iu der Hausflur war, rechtzeitig umkehren und unsre Frende teilen konnte. Ich habe seitdem immer gegen runde Tischplatten, deren Tragfähigkeit ich nicht zuvor untersucht hatte, einen begreiflichen Argwohn gehabt. Man sieht, ich war mit dem Schlüsse meines achten Lebensjahres ans dem glücklichen Alter, das sich wenig Kopfzerbrechen macht, in das nächsthöhere, verantwortliche Stadium getreten.

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Giuseppe Verdi. Nicht jeder Musikus, der jahrzehntelang iu der Leute Mund gewesen ist, verdieut darum schon einen Nachrnf. Aber wenn ein Künstler wie Verdi ans der Reihe der Lebenden scheidet, so ist das etwas andres, nnd zwar aus zwei Gründen: Einmal reicht die Bedeutung seines Wirkens über die seiner Werke weit hinaus, zum andern bietet die Geschichte seiner Entwicklung ein so schönes Bild von Reinheit und Größe des Charakters, daß sie nicht vergessen werden sollte, so lauge sich uoch die Menschheit für Menschen interessiert, uud so lange unsre Erziehung mit grvßeu Vorbildern rechnet.

Bei nns Deutschen hat es ziemlich lange gedauert, ehe wir etwas von Verdi hielten. Unsern musikalischen Zünftlern, die in seinen Opern weder das nötige Maß vou Scholastik noch von billiger Modernität fanden, war er bis an die sieb­ziger Jahre der Inbegriff der Trivialität. Erst die „Aidn" führte zu einem Uin- schwnng der Meinuug, aber noch über das „Requiem" glaubte sich Hans vou Bülow flegelhaft wegwerfend veruehmeu lassen zu müssen. Seine Landsleute schätzten ihn von Anfang au höher ein, uud nicht bloß wegen ihres schlechten Geschmacks, oder weil sie die Verdischen Werke weniger schlafmützenmäßig vorgeführt bekamen. Ruch "icht bloß deshalb, weil der Name Verdi ihnen ermöglichte, unbestraft deu italie­nische» Eiuheitsträumereieu nachzuhängen. Bekanntlich riefen sie bis zur Einnahme von Rom: VivA Vmäi und meinten: Viva Vittorio Dma-nuelv, R,e üc Iwlm. Nein. Als nach dem Schweigen Belliuis, Donizetns. Rossinis die italienische Oper, der nlte Stolz des Landes,' dem Bankrott nahe war, da erkannten sie mit ihrer schnellen ^utelligenz sofort, daß in diesem jungen Lombarden noch einmal eine Kraft er­standen war, die den italienischen Namen in der Fremde, wenn auch nicht mehr