Dentsch - italienischer Verkehr im Mittelalter
163
Berufe ganz aufgingen ; aber gerade solche, die das thun, sind der Gefahr, in Pedanterie zu verfallen, leichter allsgesetzt als andre. Sicher ist: die neue Zukunft unsrer humanistischen Gymnasien hängt viel mehr als von Verordn nnngen von der verständnisvollen Hingebung und der geistigen Frische ihres Lehrerstands ab. Darum muß alles geschehn, diese zu fördern und zu sichern. Was für sie geschieht, geschieht doch auch für die Jugend und um der Jugend willen, also für die Zukunft der Nation.
Deutsch-italienischer Verkehr im Mittelalter
(Schluß)
ie anziehendsten Abschnitte in Schuttes Buch sind die über die Alpenpässe; ans ihnen ersieht man, wie Lage, Bodengestalt, Vollstum, Handel uud Politik aufeinander eingewirkt haben. Die Römer haben die Alpen so lange wie möglich umgangen, dann die Wege über den großen St. Bernhard uud über den Splügcn, vielleicht auch über deu Septimer gebant. Der St. Gotthard blieb eine unzugängliche Wildnis; darauf führt Schulte den Umstand zurück, daß die Römer nicht eine die heutige Schweiz umfassende Provinz eingerichtet, sondern den Nordnbhang der Zentralalpen zu Gallien, die beiden großen südlichen Lüngsthäler zu Nhütien geschlagen haben. Die Verbindung von Walliö und Graubiinden zu einem Verwaltungsbezirk beweist, daß der Weg aus dem westlichen Thal ins östliche über die Furka schon offen gestanden haben mnß. Mit dem Handel ging beim Zerfall des Reichs auch dessen großartiges Straßensystem ein. Die Straßen wurden nicht allein „verlündert," sondern ihre Unterhaltung hing fortan von den Anwohner» ab; kein Staat kümmerte sich darum, sofern man nicht die Schwcizerkantone sowie einige Bistümer nnd Klosterver- waltungen als Staaten gelten lassen will.
Mit dem Handel verschwand keineswegs der Verkehr über die Alpen; Kriegsheere zogen oft, Pilger und die der Kircheuvermaltung dienenden Boten fortwährend hinüber und herüber; nicht wenig Klöster hatten Grundbesitz auf beiden Seiteu des Gebirges. Darum wurden früh Hospize angelegt. Die ersten Werden von den Sarazene» zerstört, die um 889 als Räuber einfallen und sich auf eiu halbes Jahrhundert in den Bergen festsetzen. Die Chorherren, die Bernhard von Menthon ans dem nach ihm genannten Passe über den frühern Acms ^ovis angesiedelt hat, widmen sich der Beherbergung der Alpenreisenden als eiuer besondern Form der den Klöstern im allgemeinen zur Pflicht gemachteu Gastfreundschaft. Reiche Schenkungen an Grundbesitz, die