124
zahlreichen ausdrücklichen zustimmenden Erklärungen auch dadurch zu erkennen gegeben, daß sie diese Bestrebungen billigt. Die Kommission des Herrenhauses endlich hat ihren Berichterstatter ausdrücklich beauftragt, nochmals das zu wiederholen, was er schon einmal ausgesprochen uud was Seine Exzellenz der Herr Finanzminister in beiden Häusern des Landtags gesagt habe, daß sie mit aller Sympathie einer neuen Gesetzgebung entgegensehe, die die Kolonisation in großem und zielbewußtein Maße durchführen wolle.
Bei einer solchen Einmütigkeit aller beteiligten Machte ist die Hoffnung gerechtfertigt, daß die bevorstehende Tagung des Landtags dem allgemeinen Andrängen nach zweckmäßiger Einrichtung der innern Kolonisation Erfüllung bringen wird. Uud man darf diese Hoffnung um so zuversichtlicher hegen, als nach den jetzt gesammelten Erfahrungen die Gefahr einer finanziellen Einbuße für den Staat vollständig ausgeschlossen ist.
Herbsttage in der Gifel
Kultur- und Landschaftsbilder von Julius R. Haarhans
3
n meinem letzten Aufsatze habe ich vou der weltentrückten Lage Blankenheims gesprochen. Nun könnte man mir vorhalten, daß es mit der Weltabgeschiedenheit dieses Ortes nicht allzn schlimm stehu könne, da Blankenheim doch Bahnstation sei. Das ist allerdings der Fall. Aber darf man einen Ort, dessen Bahnhof mehr als vier Kilometer von ihm entfernt liegt, wirklich noch Bahnstation nennen? In einem Gebirgslande, das fünfzig Jahre später als die benachbarten Gebiete die erste Bahnlinie erhielt, kommen als Verkehrswege auch heute noch in erster Reihe die Flußthäler iu Betracht. Nun gehört Blankenheim seiner topographischen Lage wie seiner historischen Entwicklung nach zum Ahrthale, der Bahnhof liegt jedoch im Urftthale. Die Wasserscheide zwischen Ahr uud Urft ist ein breites rauhes Hochplateau, das in schncereichen Wintern häusig wochenlang kaum passierbar sein soll. Auf der Höhe liegt eiu ärmlicher Flecken, Blankenheimerdorf, auf weite Strecken hin von Ödland umgeben. Vor der Anlegung der Chaussee hat hier hinüber sicherlich kein Verkehr stattgefunden, und wenn anch heute zwischen Blankenheim nnd seinem Bahnhof ein Postwagen die Verbindung vermittelt, so scheint doch die seltne Benutzung dieses Vehikels durch die Blankenheimer dafür zu sprechen, daß man von der neuen Verkehrs- gelegenheit nur uugern Gebrauch macht.
Das obere Urftthal gehört zu den kältesten Gegenden der Eifel. Sogar in den Sommermouaten treten mitunter Nachtfröste ein, die den Obst- und