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Skizzen aus unserm heutigen Volksleben : dritte Reihe : 8. Kleine Füchse :
(Schluß)
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Maßgebliches nnd Unmaßgebliches

Ihren Ferdinand würde Irma wohl auch nicht genommen haben, meine liebe Frau Pastor, sagte Frau Emmerich, die die Gabe hatte, den Leuten mit freund­licher Dreistigkeit Unangenehmes zu sagen.

Schweigen ist Gold. Nie, sollte man meinen, wäre das Sprichwort: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold empfehlens- nnd beherzigenswerter gewesen als heutzutage. Erinnert es nicht jeden von nus, auch die Volksvertreter und die Publizisten, deren Beruf rastlose, wie der sprudelnde Quell unaufhaltsam und ununter­brochen strömende Beredsamkeit ist, iu bescheidner nnd gewinnender Form an die That­sache, daß unter Umständen Schweigen borrivilö giern das klügere, geratnerc, ja geradezu gebotue sein kann? Man mochte sogar sagen, daß es in diesem Sinne inmitten der chronischen Orgie von Redefreiheit und Redseligkeit, die wir feiern, und unter deren Zeichen unsre Zeit zu stehn scheint, das rechte, dringend nötige Korrektiv ist. Nicht nm wenigsten im öffentlichen Leben, denn wenn auch der Staatsmann die goldne Hälfte des Sprichworts zu würdigen versteht, der Staats­bürger, namentlich wenn er sich mit Gesinnungsgenossen eine besonders volksbeglückende Aufgabe gestellt hat und der Regierung die Pflicht, für die Würde uud moralische Hebung der Nation einznstchu, abzunehmen entschlossen ist, hält es mit dem Silber, dem durch keinerlei Rücksicht zn dämmenden, ans breitester Bahn dahineileudcu Redestrom.

Schweigen ist Gold. Das erinnert uns, wenn wir bei den auswärtigen Be­ziehungen des deutschen Volts, von denen in den letzten Tagen soviel die Rede ge­wesen ist, für einen Augenblick stehn bleiben, an zweierlei, das recht eigentlich in Bezug auf auswärtige Politik das Alpha und das Omega der Weisheit eines Volks uud das Fnzit der Erfahrungen seiner Staatsmänner zu sein bestimmt ist: die doppelte Thatsache nämlich, daß es erstens in der Politik überaus interessante und ver­führerische Gebiete giebt, über die auch der bestinformierte uud begabteste Staats­mann nicht sprechen kann, ohne schon allein dadurch, daß er sie zur Sprache bringt, dem Lande und den damit Verbündeten auswärtigen Interessen zu schaden, und daß es zweitens, anch abgesehen von diesen überhaupt nicht zu berührenden Gebieten, eine gewisse Anzahl von Problemen der auswärtigen Politik giebt, über die unter Hunderttausenden mir einer in maßgebender Weise zu urteilen befähigt ist, weil er allein über die einschlagenden Verhältnisse umfassende und verläßliche In­formation hat.

Man sollte glauben, das verstünde sich von selbst, uud man werde höchstens etwa iu Unterprima Gelegenheit haben, solche Gemeinplätze an den Mann zn bringen.

Aber nein! Die bescheidne Weisheit, die sich um solcher primitiven Er­wägungen willen irgend welche Beschränkungen aufzuerlegen geneigt wäre, gehört nicht zu dem Vademekum unsrer Publizisten und Parleivertreter. Unter dem Vor- waude, daß die Tage der Kabinettspolitik vorüber seien, giebt es für viele von ihnen im Staatsleben kein verschleiertes Bild, kein noli ms tÄNAsrö mehr. Der Schleier muß herunter, ihre Hand wollen sie überall haben; am besten, so denken

Maßgebliches und Unmaßgebliches