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Skizzen aus unserm heutigen Volksleben : dritte Reihe : 8. Kleine Füchse
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Skizzen aus unserm heutigen Volksleben

von Fritz Andürs

Dritte Reihe

^. Kleine Füchse

ie Hnushaltuugspension für junge Mädchen im Hcinse des Herrn Superintendenten Friceius in Waltcroda erfreute sich eines großen Ansehens, und zwar dies weniger des Herrn Superintendenten als der Frau Superintendentin wegen, die, das mußte ihr der Neid lassen, ihr Handwerk perstand. — Wie kv in inen nur Superinteudeuts dazu, sagte Frau Pastor Knackstiesel mit der ihr eigentümlichen Be- tonnng beim Missivnsnähen, eine Pension einzurichten. Es stört doch so sehr das Familienleben, und mein lieber Manu sagt auch immer, er verdenke es Super­intendent?, sich solche Schehne aufzulegen, uud wenn man nicht einmal mehr im Hause seineu Schlnfrock auziehn dürfe, dann höre schließlich alles ans.

Das aber hatte sich der Superintendent laugst selbst gesagt. — Nicht des Schlafrocks wegen. Vielmehr war er der Ansicht, daß es nicht vom Übel sein würde, wenn Herr Pastor Knackstiefel etwas weniger Schlafrock trüge. Aber der Herr Superintendent hatte Pier Söhne, von denen der eine Leutnant bei der Artillerie war, während der andre es bis zum Referendar gebracht hat. Sehr fendal, sehr dem Wnnsche der Frcm Snpcriuteudentin entsprechend, aber auch sehr tener! Und dazu kamen die von Jahr zu Jahr sinkenden Ackerpnchten, sodaß die Lage schwierig geworden sein würde, wenn sich nicht die Frnn Snperintendcntin, wie sie es in wirtschaftlichen Nöten zn thun pflegte, ins Mittel geschlagen hätte. Sie gründete eine Hnushaltuugspension. — Gott verhüte, sagte sie, daß ich mich wegen des Titels Superintendent überheben sollte; aber die Leute sind einmal so, sie geben etwas ans das Äußere, uud „im Hanse des Herrn Superintendenten" — das zieht. Dn sollst sehen, wir kriegen junge Mädchen soviel, als wir wollen. Und es ist anch wahr, zn jedem Pastor würde ich meine Tochter auch nicht ins Haus geben.

Aber vielleicht zn jedem Superintendenten'? sagte der Herr Superintendent und machte sein spitzes Gesicht.

Er war ein kleiner, feiner, alter Herr, uud seine Frau war breit, groß, stattlich ü"^ freundlichem uud mütterlichem Aussehen. Frau Snperintendentin beachtete den Einwurf nicht weiter, sondern fuhr fort, mit ihrem lieben Manne zu über­legen, wie die Pension einzurichten sei, wobei — ein Zeichen, wie recht sie in allen Dingen hatte immer das herauskam, was sie sich zuerst gedacht hatte.

Aber die Sache hatte noch einen andern Gruud. Frau Superiuteudeut wollte etwas zum Pflegen haben. Die Söhue waren fort, das Haus stand leer, nud der liebe Mann war darin wunderlich, daß er durchaus nicht gepflegt sein wollte. Er konnte ungeduldig werden, wenn er mit zn viel häuslicher Fürsorge umgeben wurde. Und über diese Zurückweisung war die Frau Snperintendeutin, die doch so gern