Beitrag 
Antikes und Altchristliches in Rom :
(Schluß)
Seite
612
Einzelbild herunterladen
 

Antikes und Altchristliches in Rom

von Otto Uaemmel

(Schluß)

ie uralte Verkehrsbedeutung dieser Gegend am Tiberufer, wo der Nindermarlt und der Gemüsemarkt nahe bei einander lagen, beruhte auch auf den beiden hier über den Fluß nach dem Trastevere hinüber­fuhrenden Brücken, dem nach der Tiberinsel geschlagnen Pons Fnbriems (Ponte Qnattro Capi) und dem 114 v, Chr. etwas unterhalb erbauten Pvus Ämilius, dessen Pfeiler- und Bogenrestc seit der Hochflut von 1598 Ponte rotto heißen. Statt dieser damals zerstörten Brücke führt jetzt der moderne Ponte Palatinv (auch Ponte rotto genannt) hinüber, eine überaus charak­teristische und malerische Aussicht eröffnend: stromauf- und abwärts zeigen sich die mächtigen Quadermauern der Tiberregulierung, die dem Flusse ein Flutbett durch­schnittlich von 100 Metern Breite durch die ganze Stadt hindurch geöffnet haben, aufwärts die hochbebautc Tiberiusel, die jetzt nach dem linken Ufer hin bei ge­wöhnlichem Wasserstaude landfest geworden ist, abwärts die Mündung der uralten Lilnucu iria-xima. unter dem Rundtempel Santa Maria del Sole, von der neueil Ufermauer eingefaßt, gegenüber auf dem rechten Ufer das Häusergewirr des Tras­tevere, darüber die lauge grüne Linie des Janiculus mit dem alles überragenden, großartigen Garibaldidenkmal und der am Ende darüber aufsteigenden blaugrauen Petcrskuppel, uach rückwärts auf der einen Seite das hier hoch aufsteigende Kapital, auf der andern die griinbewachsene Steilwand des Aveutin, über deren festnngs- artiger Mauer ein paar einsame alte Kirchen hervorschauen.

Der Aveutin trug schon in der Köuigszeit auf seinem östlichen Teile deu Dianatempel, das römisch-latinische Bundesheiligtnm, wurde aber von den innern Hügeln Roms am spätesten mit Häusern besetzt. In der ersten Hälfte des Mittel­alters war er stark bewvhut und hatte im neunten Jahrhundert mehrere Adelspaläste, zu denen Otto III. gegen Ende des zehnten einen Kaiscrpalast fügte. Erst nach dem verheerenden Brande bei der Einnahme der Stadt durch die Normannen im Mai 1081- verödete der Hügel und blieb klösterlichen Ansiedlungeu überlassen. Ans diesem Zustande ist er auch heute noch kaum heransgctreten. Weun man vou der Piazzn Boeea della Veritä durch die Via della Greca die einsame, stille Via di Santa Sabina hinaufsteigt, sieht man auch oben zu beiden Seiten zunächst unr hohe Garten- und Vignenmauern. An ihr liegen rechts drei Kirchen, Santa Sabina, Sant' Alessio e Bonifazio und Santa Maria del Privrato mit der Villa des Mal­teserordens. Erst ein Bettler, der in der Nähe seinen Standort hatte, machte mich hier ans die berühmte Schlüssellochausficht aufmerksam. In dem Nahmen eines Schlüssellochs an der Pforte erscheint in der Ferne wie ein Miniaturbild auf Goldgrund die feine Linie der Petersknppel, denn ein Nebengang führt hier gerade auf die Gartenmauer zu und öffnet den Blick über das Trastevere hinweg genau nach dem St. Peter. Der anmntige Garten enthält die schönste Palme Roms