560
Antikes und Altchristlichcs in Rom
sammen. Aus allen diesen Umständen erklärt sich der hauptsächlichste Mangel dieser Reise, der Mangel an Vertiefung, den ich persönlich schwer empfunden habe. Aber dafür wurdeu nns mich manche Vorzüge geboten, die man anf Reisen sonst oft entbehrt. Ich erinnere nnr an die reiche Gemeinschaft einer aus sehr verschiedenartigen, aber durchweg gut erzogueu uud gebildeten Elementen zusammengesetzten Reisegesellschaft. Tiefer Ernst und zündende Be- geisternng, sprühender Witz und frischer Hnmor wechselten miteinander ab und durchzuckten oft geuug, wie der elektrische Funke, alle Mitreisenden. Im Orient haben wir die Bevölkerung in einer ganz ungewöhnlichen nud zwar für uns Deutsche günstigen Erregung gesehen. Die Anwesenheit unsers Kaisers in Palästina uud das freundliche Verhältnis des Sultans zu ihm kam nlleu Deutschen dort merkbar zu gute. Kurz, alles iu allem genommen war die Reise ein hoher Genuß, uud wer sie mitgemacht hat, wird dies dankbar als einen besondern Vorzug betrachten. Die Strapazen und kleinen Beschwerden sind längst vergessen. Hell aber und wie mit märchenhaftem Zauber übergosfeu haften die wesentlichen Eindrücke der Reise in unsrer Erinnerung.
Antikes und Altchristliches in Rom
von Gtto Kciemmel
charfes Wagengerasscl, die Tritte und Stimmen der Vorübergehenden und die halb singenden Rufe der umherziehenden Verkäufer zeigten schon am frühen Mvrgen, das; Nur unser Quartier im Mittelpunkte des alten Roms genommen hatten, wenig Schritte vom Corso nud von der Piazza Cvlonna entfernt, und da draußen war es noch ganz wie vor vier Jahren: auf der kurzen, engen Via di Pietra Laden an Laden, gefüllt mit frischem Gemüse, Obst, geräucherten Fleischwnren und flaschen- förmigen, branngelben Schafkäsen, die quer über der Thür iu lauger Reihe hängen und mit ihren? scharfen Geruch die römische Straßeulnft so eigentümlich parfümieren, daß man sich erst daran gewöhnen muß; an der Ecke der Via di Pietra und der kleinen Piazza di Pietra die bekannte Trattoria Geuzano mit ihren vorzüglichen Weinen vom Albanergebirge, auf dem Platze selbst, gegenüber der verwitterten Säulenreihe des antiken Hadrianstcmpels, oder was das Gebäude sonst gewesen sein mag, harrende Droschken; wenig Schritte nach rechts der enge Corso, die Hauptverkehrsader des päpstlichen Roms und schließlich auch noch des heutigen, wo noch wie vor vier Jahren an der andern Seite dieselbe mit bunten Plakaten bedeckte Bretterplanke prangte, um den Platz einzuschließen, der einmal einen großartigen Neubau tragen soll; auf dem Corso selbst dasselbe Schallspiel wie immer: glänzende Läden, namentlich von Juwelieren, rasselnde Droschken, Omnibusse und Equipagen, ein unlinterbrochner Meuscheustrom auf den schmalen Fußsteige»; nm die schöne, fast quadratische Piazza Colonna mit der Markussäule au der rechten Seite ältere,