520
Maßgebliches und Uninaßgeliliches
in traulicher Gemeinschaft fröhlicher deutscher Künstler und Poeten in Pagano auch sein mag. An den Vesnch im Hotel Pagano schloß sich noch ein schöner Spaziergaug durch den Ort Capri nach dem Ostende der Insel, wo ein herrlicher Ausfichtsplcch uumittelbar über dem Meere und deu Faragliani, zwei schroffen Felssäuleu, liegt, die dicht nn der Insel grotesk ans der brandende» See emporragen. Man hat hier einen prächtigen Blick über das Meer, sowie nach Auaeapri und dein höchsten Gipfel der Insel, dem Monte Solaro hinauf. Voll befriedigt fuhren wir bei ziemlich bewegter See abends nach Neapel zurück. Es wurde wahrend der Fährt kalt und dunkel, nnd unheimlich leuchteten die glühenden Lcwnmassen des Vesuvs zu uns herüber. Abends gegen neun Uhr landeten wir glücklich in Neapel vor unserm Hotel uud verabredeten für deu nächsten Vormittag ^/./H Uhr eine Dampferfährt nach Torre del Annnnciata uud Pompeji. Damit endete wieder ein reicher, glücklicher, schöner Tag.
(Schluß folgt)
M^WMZ^M >MMMcB<I
Maßgebliches und Unmaßgebliches
„Bedientenseelen." Einige Zeitungen scheinen sich von unserm Artikel „Philisterseelen" besonders getroffen gefühlt zn haben. Ja eine nationalliberale Zeitung versteigt sich zn der Beteuerung, sie würde eine nüchterne nnd besonnene Politik immer empfehlen, selbst ans die Gefahr hin, von Bedientenseelen mit dem Ausdruck Philisterseelen beschimpft zu werden. Wir haben sonst keine Veranlassung, uns un> einzelne Tngesblätter zu bekümmern, und wir thun dies mich hier nur, weil dieses Blatt nur der Thpus einer ganzen Richtung ist, und weil der von ihm iu Gänsefüßchen gesetzte Ausdruck „Philisterseelcn" ohne Zweifel auf unsern so überschriebnen Artikel in Nr. 35 der Grenzbotcn gemünzt ist, den zu widerlegen allerdings kein Versuch gemacht wird, offenbar weil „Bedientenseelen" eines solchen nicht wert siud. Zwischen „Bedicnteuseelen" uud „Philisterseeleu" besteht ei» Unterschied nicht des Grades, sondern der Art. Nennt man jemand „Philister," so ist das zwar kein Lob, aber auch nicht eine Beschimpfung, denn das Wort zielt nur auf eineu gewissen Mangel nn Einsicht und Weitblick, nicht auf einen Fehler des Charakters, wie denn auch unser Artikel die ante patriotische Gesinnung der gemeinten Blätter gar nicht in Zweifel gezogen, sondern ausdrücklich betont hat. Nennt man aber jemand eine „Vedientenseele," so ist das der schlimmste sittliche Vorwurf, der einem Manne gemacht werden kann, denn er zeiht ihn einer niedrigen, knechtischen, also charakterlosen, eines Mannes nuwürdigen Gesinnung. Nnu „Be- dientenseelen" haben in den Grenzbotcn niemals ihr Wesen getrieben und treiben es auch hente nicht; die Grenzboten sind von keiner Regierung uud, was mehr sagen will, von keiner Partei abhängig, für sie schreiben nur unabhängige, Patriotische, selbständig denkende Männer, die auf keine politische Schablone eingeschworen sind, aber allerdings an drei Grundsätzen unter allen Umständen festhalten: sie sind für