Eine Dienstreise nach dem Grient
Erinnerungen von Staatsminister vi', Bosse «Fortsetzung)
!N glühender Sonnenhitze und unter schreckliche»! Staube fuhren wir am 5. November von Nazareth auf demselben Wege zurück, den wir tags znvor gekommen waren. Wir rasteten nnd früh stückten wieder in dein Eichenhaine, der uns auf der Hinfahrt >so wohl gefallen hatte. Hain Mamre uannten ihn mit bewußtem Verstoß gegen die heilige Geographie unsre Gefährten. Ich hatte kalten Thee bei mir, der mir den brennenden Durst wunderbar gut löschte. Gegen Mittag fuhren wir glücklich in Haifa ein, wo wir bei unsern jnngen Pastorslenteu wieder die freundlichste Anfunhme fanden. Nach Tisch fuhren wir mit ihnen auf deu Berg Knrmcl unmittelbar oberhalb der Stadt. Die Aussicht voil hier obeu (Luftkurhaus und Hotel Proß) ist unvergleichlich schöu. Über das Franenkloster nnd die wohlhäbige deutsche Kolonie mit ihren Orangen-, Frucht- und Weiugürteu hinweg richtet sich der Blick ans die blane Bucht und das gegenüberliegende Akka. Man kann sich hier gar nicht satt sehen. Wir wurden von dem deutschen Konsnl Keller, der mit seiner ganzen Familie hier oben die Honnenrs machte, nach deutscher Art mit Kaffee nnd Kuchen bewirtet. Dabei hielt er, ein augenscheinlich kluger, gewandter und recht wohlhabend gewordner Mann, einen geschickten Vortrag, worin er die Entwicklung der deutscheu Kolonie darlegte und hervorhob, wie es ihm mit Gottes Hilfe und den von einer hier ständig in ihrer Villa wohnenden Frau voil Baunwart aus Magdeburg iu höchst liberaler Weise zur Verfügung gestellten Mitteln gelungen sei, nnter Überlvindliilg großer Schwierigkeiten das Gelände, auf dem das Luftkurhaus steht, hier auf dem Karinel für die deutsche Kolonie zu erwerbeu. Präsident Barkhnuseu erwiderte dem Konsul uameus der Reisegesellschaft und brachte ein Hoch auf ihn ans. Dann sichre» wir auf einer von dem Konsnl auf Kosten der Frau von Bannwnrt erbauten neuen prächtigen Straße nach Haifa zurück, einem ganz entzückenden Wege mit dem Blick auf die Bucht und das offne Meer. Die Sonne war eben untergegangen, nnd der westliche Himmel leuchtete in alleu Abstufungen goldneu Lichts.
Um acht Uhr abeuds fand auf Veranstaltung des Konsnls Keller im Tempel der Templergemeinde eine Versmnmlnng der deutschen Kolonie statt, zu der wir eingeladen waren. Der Tempel war ein völlig schmuckloser, weiß getünchter Saal ohne Kanzel nnd Altar. Nur eine Art Rednertribüne stand an der einen Schmalseite. Nach dem Präsidenten Barkhnnsen mnßte ich wohl