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Eine Dienstreise nach dem Orient : Erinnerungen :
(Fortsetzung)
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

allzuviel Wasser in ihren Wein zn gießen. Gewiß hat diese Reise im Orient einen gewaltigen Eindruck geinacht, und sie wird dem Ansehen des Deutschen Reichs, vielleicht auch unsern wirtschaftlicheil Beziehungen zu Kleinasien zn statten kommen. Aber im Orient gehn solche Entwicklungen nur sehr langsam vorwärts, und so schön die hoffnuugsreiche Begeisterung der hiesigen Deutsche,? auch erschien, die Spannung war zu hoch. Ernüchterung und Enttäuschung werden nicht ausbleiben.

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Die Rettung der Gesandtschaften in Peking. Nach dem verunglückten ersten Vorstoß Seymours auf Peking war die Welt eine knrze Zeit in dem trau­rigen Glauben, daß die Rettung der Gesandtschaften nicht mehr möglich wäre, und sich die genieinsame Aktion der Mächte nun ohne Rücksicht darauf und ohne jede Über­hastung auf die sichere Erzielung eines dauernden Erfolgs richten könne, der die Wiederholung ähnlicher Katastrophen für immer ausschlösse und geordnete Macht- und Rechtsverhältnisse in China sichere. Als dann erfreulicherweise Nach­richten kamen, daß sich die Gesandtschaften noch hielten uud dringend um Ersatz bäten, mußte selbstverständlich so schnell als möglich ein zweiter Vorstoß mit den augenblicklich verfügbaren Truppen versucht werden. Der Versuch ist, mau darf wohl sagen, über alles Erwarten glücklich gelungen. Die Gesandtschaften sind entsetzt, und die ganze zivilisierte Welt, vor allem die in Peking vertretnen Nationen atmen erleichtert auf, befreit von dem entsetzlichen Bewußtsein, die ans ihre Hilfe vertrauenden uud nach ihr rufenden Gesandten mit ihren Begleitern nnd Ange­hörigen machtlos dem furchtbarsten Untergange überlassen zn müssen. Mit auf­richtiger Freude hat auch das deutsche Volk den Entsatz der Gesandtschaften begrüßt, obwohl der deutsche Gesandte nicht mehr unter den Lebenden ist.

Die Rettung der Gesandten war unbestritten die erste, dringlichste, eine heilige Pflicht der Mächte. Sie war es so sehr, daß die chinesische Diplomatie sie wie jetzt deutlich zu erkennen ist von vornherein auszunutzen versucht hat, um ein energisches Vorgehn der Mächte zu verzögern, wenn nicht zu verhindert:. Der Gedanke, daß die Gesandten als Geiseln in der Hand der chinesischen Regierung wären, und daß an ihnen jeder Schritt vorwärts, den die Mächte unternähmen, auf das grausamste gerächt werden konnte, mußte lähmend auf die Operationen einwirken. Es Wäre in diesem Falle ernstlich zu erwägen gewesen, ob es nicht, um ihre Gesandten zn retten, die Pflicht der Mächte sei, auf jede Zwaugsmaßregel gegen China vor­läufig zu verzichten. Man muß sich das klar vor Augeu halten, wenn man die Bedeutung, die die Einnahme Pekings hat, richtig würdigen will. So spärlich auch die Nachrichten über die Vorgänge dort seit zwei Monaten in die Öffentlichkeit ge­drungen sind, das ist doch jetzt klar geworden, daß sich die Gesandten in der Hauptsache nicht gegen die Angriffe eines revoltierenden Pöbels, den die chinesische Regierung vergebens zu veruichteu suchte, verteidigen mußten, sondern gegen die Versuche dieser Negierung selbst, sie zn Geiseln zu machen. Der Regierung lag selbstverständlich nichts an der Niedermetzeluug der belagerten Europäer, alles aber an ihrer Kapitulation. Sie mußte sie lebend in ihre Gewalt bekommen, uud diesem Zweck waren die fortdauernden, wenig energischen Angriffe auf die Gesaudtschafteu ebenso klug an­gepaßt, wie das Aufrechterhalten des Scheins, als ob die Regierung ernstlich die Absicht habe, sie in Schutz zu nehmen nnd nach Tientsin eskortieren zn lassen.