(Line Dienstreise nach dem Grient
Gnmwttlugcn von Stcmtsmmistor Dr. Bosse «Fortsetzung)
nderntags standen Nur lim vier Uhr ans, nnd gegen sechs Uhr traten wir die Rückfahrt nach Jerusalem an. Wir hielten wieder an der Schlncht, in der das rassische Kloster liegt. In der Tiefe dieser Schlncht soll der Bach Krith fließen, an dem der Prophet Elias von den Raben gespeist wurde. An der Herberge „Zum barmherzigen Samariter" trafen wir die zweite Gruppe unsrer Gefährten, die heute nach Jericho reiste. Auf der Straße waren die Hitze und der Staub kaum erträglich. An der Apostelquelle, anderthalb Stunden vor Jerusalem, geht es steil bergauf. Wir stiegeil deshalb schon aus Mitleid mit den Pferden ans und gingen in brennender Sonnenglut den Berg hinauf bis dicht vor Bethanien. Man zeigte uns ein Haus als das des hier auferweckten Lazarus und seiner beiden Schwestern. Es macht den Eindruck einer alten Stallruine, nnd mit der Identität ist es hier augenscheinlich nichts. Bethanien ist heute ein verfallnes, staubiges, schmutziges Dorf und zeigt nichts mehr von der Lieblichkeit eines znm Ausruhn einladenden stillen Plätzchens. Dagegen ist der gegenüber liegende Ölberg mit seinen Gärten nnd Olbänmen, Klöstern, Kirchen und, Türmen auch heute noch der schönste Punkt vor Jerusalem.
Stanb- nnd schweißbedeckt kamen nur gegen Mittag im Hotel Fast wieder Gott sei Dank, daß es hier nicht an Wasser fehlte. Der Ausflug war teuer erkauft, eine wirkliche Strapaze. Auch ich fühlte mich nach der Rückkehr einigermaßen flau; doch schmeckte mir das Mittagessen, und für die Strapazen waren wir durch die Stuuden am Toten Meer und am Jordan reichlich entschädigt.
Freilich waren die Strapazen noch nicht zu Ende. Nach Tisch wurden wir nach dem Tempclplatz und der Omnrmoschee geführt. Der hoch liegende, wlossale Platz mit seinen Säulenreihen uud der große», schönen Moschee, deren gewaltige, runde Kuppel und harmonische Maße künstlerisch das Auge Asseln, macht in der That einen unanslöschlichen Eindruck. Was hat sich hier auf den, Berge Mvrijah alles abgespielt, von Abrahams Vereitwilligkeit >>saaks Opfernng an bis zu deu Zeiten des Heilands, der hier in den Vorhallen des Tempels wandelte, heilte und lehrte. Drüben mn Nvrdcude des ^niM lag die Burg des Antonius und die Wohnung des Pilatns. Hier 'Mlte Salomo den ersten Tempel in bis dahin unerhörter Pracht, und hier nnden liiich der zweite und dritte Tempel, dieser — der Herodianische — au ^ wße „nd Pracht noch strahlender als der Salomonische. Hier flutete zur Blütezeit des Landes das jüdische Leben in seiner Fülle, hier drängten sich