396
Katholische Inferiorität und ultramoutaue Parität
wahren von den eingebildeten Bedürfnissen zu unterscheiden nud die letzten dorthin zu verweisen lernen wird, wohin sie gehören. Die Frage ist für Deutschland von besondrer Wichtigkeit. Wir sind im Begriff, ein wohlhabendes Land zu werden; unser „freies Einkommen," nämlich das über den notwendigen Bedarf hinausgehende mehrt sich jährlich; möchten wir immer besser lernen, dieses freie Einkommen nicht in allerhand Nichtswürdigkeiten zn verzetteln, sondern es so zu benutzen, wie es einer gebildeten Nation würdig ist: zur Befriedigung edler und wahrer Bedürfnisse; möchten wir aber auch dahin kommen, nns einige Beschränkung in der Angewöhnung von neuen Bedürfnissen aufzuerlegen, damit uns nicht schließlich vor lauter Genüssen das Genießen gänzlich abhanden komme!
Hamburg W, Mannhardt
Katholische Inferiorität und ultramontane Parität
(Schluß)
lm letzten Jahrgang der „Historisch-Politischen Blätter" erschien ein Aufsatz, in dessen Eingang sich die Behauptung findet, Friedrich der Große sei zwar sehr duldsam gewesen gegen alle andern Religionsbekenntnisse, höchst unduldsam aber gegen die I Katholiken. Diese Behauptung muß sehr befremden; denn es ist bekannt, daß der große König, als man bei ihm die Errichtung eines katholischen Svldatengottcsdienstes in Berlin zn hintertreiben versuchte, die denkwürdige Antwort gab: „Die Religionen müssen alle tolerieret werden. . . denn in diesen Staaten kann jeder nach seiner Fa</on selig werden"; dies um eine Zeit, als katholische Landesherren ihren protestantischen Unterthanen nur die Wahl ließen, entweder katholisch zu werdet! oder auszuwandern. Auch sonst mied der große König jede Einmischung in die suxsrstitions seiner katholischen Unterthanen; da er die fast ausschließlich katholischen Bewohner des eroberten Schlesiens in dein Verdacht einer Hinneigung zn Österreich hatte, so forderte er freilich den Fürstbischof von Breslau auf, dieser solle die katholische Lehre von der Sündenvergebung dahin ändern, daß Landesverrat und Fahnenflucht Sünden feien, die auch die katholische Kirche nicht vergeben könne; als aber der Fürstbischof dieses Ansinnen ablehnte, jagte der große König ihn nicht als „Rebeller" aus dem Lande, er schickte ihn auch nicht nach Spandau aus die Festung, sondern — er ließ den Fürstbischof unangetastet und die katholischen Unterthanen bei ihren Zuxsrstitions. Man müßte darum annehmen, daß der klerikale Verfasser zum Beweis seiner Behauptung, der große König sei gegen die Katholiken unduldsam gewesen, uns belehren werde, daß der König den Katholiken verboten habe, an die „Transsubstantiation" oder daran zu glauben,