Beitrag 
Eine Dienstreise nach dem Orient : Erinnerungen :
(Fortsetzung)
Seite
320
Einzelbild herunterladen
 

(Line Dienstreise nach dein Orient

Lnnncrnngcn von Staatsminister Oi'. Bosse (Fortsetzung)

nter den vielen höhern Geistlichen, die ans dein Schiffe waren, zogen drei hervorragende Ausländer die Aufmerksamkeit be­sonders ans sich. Nicht bloß durch ihre Stellung, sondern auch durch ihre Person. Das waren einmal der schon erwähnte Bischof von Christinuia v. Bang, sodann sein schwedischer Amtsbrnder, der Bischof von Wisby v. von Scheele uud der Vertreter der evangelische» (linierten) Synode von Nordamerika v. Menzel aus Nichmond in Virginien, jeder in seiner Art ein ausdrucksvoller Typus, alle drei aber von einer höchst wohlthuenden Innigkeit, voll reicher Lebenserfahrung und hervor­ragender allgemeiner wie theologischer Bildnng. Es war eine Freude, mit diesen Männern zn verkehren. Nicht minder günstig war aber auch der Ein­druck, den das taktvolle und anziehende Auftreten unsrer dentschen Geist­lichen machte, nn ihrer Spitze zahlreiche Generalsnperiutendenten oder andre geistliche Würdenträger. Es wird heutzutage vielfach über unsre evangelischen Geistlichen gellagt, und die Klagen mögen in Bezug auf viele, namentlich jüngere Theologen anch hie und da begründet sein. Hier anf dem Schiffe gab lein einziger der mitreisenden Geistlichen, von den Bischöfen an bis zum jüngsten Hilfsprediger oder Kandidaten irgend einen Anstoß oder einen Anlaß zur Klage. Im Gegenteil. Die morgens nnd abends gehaltnen Andachten waren, wenn anch nicht alle auf gleicher Höhe, tadellos, den Verhältnissen durchaus entsprechend und bei aller Tiefe der Schriftmiwendung einfach, schlicht, wahr und crbanlich. Darüber war uuter den mitreisenden Nichtgeistlichen, auch unter den Damen, nnr eine Stimme. Und es waren doch Elemente anf dein Schiff, deren Ansprüche in dieser Beziehung nicht gering und deren kritische Bemerkungen soust recht scharf und nnverulümt Ware». Man hat selten Ge­legenheit, eine so große Anzahl hervorragender Theologen tagelang in ihrem Verkehr mit andern und untereinander, in ihrer Unbefangenheit nnd ihrem Sichgeben zu beobachten. Ich kaun nnr sagen, daß der Gesamteiudruck gün­stiger war, als ich zu hoffeu gewagt halte. Solange die evangelische Kirche noch eine so große Zahl tüchtiger, im thatkräftigen Glauben gegründeter und fein gebildeter Männer hervorbringt, braucht man an ihrer Znknnft nicht zu