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Italienische Volks- und Kirchenfeste : Schluß
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AktMil aus unserm heutigen Volksleben

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hnnderts, auf denen der Palio dargestellt ist. Hiernach gehörten damals Kämpfe von künstlich hergestellten wilden Ungeheuern dazu, die von innen dnrch Menschen bewegt wurden, uud das Kostüm entspricht nicht genau dein heute angewandten, sondern mehr dem der damaligen Zeit. Es ist also in­zwischen ans der einen Seite eine Vereiufachnng des Festes, auf der andern eine bewußte Nückwärtsbewegnng in den Trachten erfolgt, indem man die Formen des fünfzehnten Jahrhunderts wieder aufgenommen hat. Im übrigen aber scheint das Fest unverfälscht die Jahrhunderte überdauert zu haben, und niemand, der es ermöglichen kann, sollte versäumen, ihm gelegentlich beizu­wohnen. Wer aber zu andrer Zeit nach Siena kommt und derartigen Vvlks- überlieferuugen gern seine Beachtung schenkt, der wird in der kleinen reizvollen Nenaissaneekirche ävssii lunooemli die gesainten Kostüme, die säuberlich auf­bewahrt werden, finden.

Meine Schilderungen zeigen, daß die altüberlieferte Schönheit der italie­nischen Volks- und Kirchenfeste keineswegs schon verschwunden ist, nnd ich möchte glauben, daß es noch sehr lange dauern wird, ehe sie erlischt uud nutergeht.

Skizzen aus unserm heutigen Volksleben

von Fritz Anders Dritte Reihe

7. Altruismus, d. i. die Lehre von: Mitmenschen

an konnte damit rechnen. Denn erstens waren nähere Verwandte überhaupt nicht da, und zweitens, wer wäre würdiger gewesen, das Erbe der beiden alten steinreichen Tanten anzutreten, als Frau Larosc, die es nach ihrer eignen felsenfesten Überzenguug besser als jeder andre verstand, die zu erwartenden Hnnderttauseude mit Würde und Eleganz zu verwenden. Und drittens wäre es eine schreiende Un­gerechtigkeit gewesen, wenn Frau Larose nicht bedacht worden wäre. Die alten Tanten hätten ja ein Herz von Stein haben, sie hätten wahre Ungeheuer von Un­dankbarkeit sein müssen, wenn sie sich nicht in ihrem Testament erkenntlich zeigen wollten, nachdem man seit Jahrzehnten alle Neujahr und alle Geburtstage Blumen und sinnreiche Briefe nach D. geschickt hatte. Und Tante Elise war ja auch Gott sei Dank viernndachtzig Jahre alt, uud Tante Paula war nur wenig jünger. Sie konnten jeden Tag das Zeitliche segnen. Man konnte also damit rechnen, daß man über ein großes Vermögen verfügen werde. Und warum sollte man das ver­schweigen? Warum sollte man sich nicht schon jetzt in der Gunst sonnen, die nach "lter und gerechter Weltordnung wohlsitnierten Leuten von dem Mitmenschen zu teil wird? Man nahm doch niemand etwas, wenn man seine Ansprüche auf die Zukunft schon der Gegenwart in Rechnung stellte.