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Italienische Volks- und Kirchenfeste
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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leben, mit welchem Ernst werden die schweren Fahnen getragen nnd geführt, wie schreiten die Matronen in ihrer altertümlichen Haarfrisur, ihren Weißen schleierartigen Tüchern und ihrer rotbunten Kleidung fo würdig dahin, wie leuchten die Augen der Kinder, die anf alle Weise aufgeputzt sind, kurz, wie stimmen hier kirchlicher Luxus und altüberlieferte Volksgewohnheit so harmonisch zusammen!

(Schluß folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Mein wunderlicher Freund. Sie sehen, sagte er, als wir am Roseuthal- thor zusammentrafen, daß ich gehorsam Ihrer Zweipfeuuigpostkarte gefolgt bin. Aber, mein verehrungswürdiger Freund, heute war es das letztemal, daß Sie sich diesem Lodderleben hingegeben, haben. Aus der Bestellung zu diesem Stelldichein habe ich mit Erstaunen nnd Betrübnis erkannt, daß Sie diese ganze wundervolle Zeit jeden Mvrgeu bis neun in den Federn gelegen haben. Das wird jetzt anders! Von morgen an haben Sie sich pünktlich um sieben zum Kaffee bei Bonorand ciu- zufinden. Sie wären imstande und verschliefen den ganzen Sommer. In der Mittagshitze ist es kein Vergnügen, spazieren zu gehu, und Sie selbst fangen ja an zu schnaufen, sobald die liebe Sonne Ihre Korpulenz ansieht.

Na ja, sagte ich; so lange Sie weg waren, habe ich überhaupt kein Vergnügen nm Spazierengehn gehabt, nnd ich bin ja bereit, Ihnen meine besten Schlafstunden zu opfern. Einesteils um das Vergnügen Ihrer Gesellschaft zu genießen, cmdern- teils, um mich für die Strapazen der Gebirgsreise zu trainieren. Aber ich bitte Sie, machen Sie es nicht zn toll, sondern behalten Sie die Beine in der Gewalt. So wäre es mir schon heute angenehm, Sie mäßigten Ihre geflügelten Schritte ein wenig, denn ich will Ihnen hier etwas zeigen. Hören Sie einmal:Es ist zu beklagen, daß uuter den Besuchern Italiens nicht mehr wie früher die Engländer, sondern die Deutschen überwiegen. Durch die blonden Söhne Hermanns des Be­freiers ist die ästhetische Harmonie der italienischen Fremdenplätze auf immer zerstört. Die Deutschen find schlecht angezogen, ihre äußere Erscheinung ist stillos und riecht nach Barbarei. Trotz ihrer stattlichen Gestalt fehlt ihnen doch ein deutscher natio­naler Typus. An Stelle der tadellosen britannischen Korrektheit tragen die Deutschen die tiefste Gleichgiltigkeit gegen gute Haltung zur Schau. Das maßvolle Benehmen des Engländers verwandelt sich bei dem Deutschen in naive Gutmütigkeit, unge­schlachte Unbefangenheit nnd lärmende Lustigkeit. Statt der gutsitzenden, fast geo­metrischen Anzüge der Engländer sieht man bei den Dentschen die seltsamsten Kleider- zusnmmenstellungen. Mit unordentlicher Garderobe, schlecht gepflegtem Haar, plumpem Schuhwerk fahren sie nach Italien und bringen durch ihre saloppen nnd geschmack­losen Manieren die guten Sitten der einheimischen Jugend in Gefahr."

Ich bitte Sie, holen Sie doch erst einmal Atem, und dann erklären Sie mir, was die Vorlesung bedeuten soll, unterbrach er mich.

Muß ich Ihnen das erst noch sagen? Das ist eine Liebenswürdigkeit uusrer italienischen Verbündeten, die Übersetzung eines Artikels, den der Turiner Schrift- Grenzboten UI 1900 24