Aus Nordschleswig
von H. pl-tersen
choil in einer Erividernng auf einen andern Artikel über den dentsch-dänischen Streit in der Nordmark habe ich in Nnmmer 36 der Grenzboten vom Jahre 1896 versucht, ein wahrheitsgetreues Bild von dein Nationalitätentampf in der Nordmnrk des Deutschen Reichs zu entwerfen. Ein ernstlicher Versuch, meine Darstellung zu entkräften, ist von der sonst so bereiten dänischen Presse nicht gemacht worden. Es ist darum auch nicht Zweck dieser Zeilen, irgendwie die damaligen Darlegungen zu wiederholen oder durch nähere Begründung zu stützen. Indessen haben die bekannten schärfern Eingriffe der Behörde, die sich mit dem Namen des jetzigen Oberpräsidenteil unsrer Provinz aufs engste verbinden, eine einschneidende Änderung in alle Verhältnisse gebracht, die für den Nationalitätenkampf in Betracht kommen, sodaß es sich wohl verlohnt, die gegenwärtige Lage kurz zu schildern.
Noch steht es in lebendiger Erinnerung, welches Aufsehen die ersten Schritte der Behörden zu einem festern und planvollen Niederdrücken der dänischen Agitation im Oktober 1898 erregten, aks Herr von Köller mit vielfachen, wenn auch nicht massenhaften Answeisuugcn anfing. Man erinnert sich noch des Streits in der Tagespresse für und wider Koller, in Versammlungen und Gegenversammluugeu, im preußischen Landtage wie im deutschen Reichstage. Die Thatsache, daß auf der einmal eingeschlagnen Bahn weiter vorgegangen wnrde, strafte die dänische Presse Lügen, die zu Anfang von "Schreckschüssen" redete, und beweist, daß die so viel besprochnen Maßnahme» nuht auf einen vorübergehenden Einfall des höchsten Beamten des Landes zurückzuführen feien, sondern auf einein wohlerwognen Plan beruhten, der umerhalb des preußischen Ministeriums durchaus Billigung findet. Wenn also ^'"n einem „Köller-Regiment" geredet wird, so trifft der Ausdruck ebensowenig ZU, als wenn man die frühern Phasen in der politischen Entwicklung der Verhaltnisse nach den jeweiligen Obcrpräsidenten benennen wollte.
Grenzboten I!I 1900 13