I^erbstbilder aus Italien
vo>l Otto Aaemmel (Fortsetzung)
s war fast Mittag und in der Sonne beinahe heiß geworden, als die Wandergenossen wieder ans der Unterwelt auftauchten, und alles die draußen haltenden Wagen bestieg. Zunächst ging es nicht auf der Via Appia weiter, sondern einen links abbiegenden Nebenweg, die Via Appin Pignntelli hinein, die nach der Via Appia nuova hinüberführt. Rechts davon liegen mitten im Felde die ansehnlichen Neste vom Zirkus des Maxentius noch so wohl erhalten, daß sie einen guten Begriff von dieser Art Anlagen geben, links führt ein Fußpfad nach Snnt' Urbano. Früher als ein Baechustempel betrachtet, ist dieses Gebäude thatsächlich ein großes Grabmal aus der Zeit der Autonine in Form eines kleinen Tempels, dessen vier die Vorhalle bildende schlanke korinthische Sänlcn bei der Verwandlung in eine Kirche (im nennten Jahrhundert) in die Vorderwnnd eingemauert wordeu sind. Auch das schlichte Innere zeigt an den Wänden korinthische Pfeilerstellnngen unter dem kassettierten hohen Tonnengewölbe; nnter dein Fußboden liegt die jetzt unzugängliche Gruft. Wenige hundert Schritt weiter nordwärts den Abhang nach der Balle Cciffnrella hinab sind es von Sant' Urbano nach der sogenannten Quelle der Egeria, die freilich erst die Humanisten hier gesucht haben, und zwar irrtümlicherweise, denn die echte Quelle hat unmittelbar vor der alten Porta Capena am Fuße des Cälius gelegen. Was man jetzt so nennt, ist thatsächlich ein antikes Nhmphüum in einer Aushöhluug der südlichen Thalwaud: von der geglättete!? Felswand sprudelt aus drei Röhren klares Wasser in ein bemoostes Mnrmorbeckeu, darüber liegt die verwitterte Gestalt eines Flnßgottes, zwischen movsbekleidetcn, epheuübersponnenen, wasserrieselnden Felswänden und Gewölben ein kühler, schattiger Platz selbst beim heißen Mittag. Der sogenannte Hain der Egeria hat in frühern Jahrzehnten bis an dieses Nymphäum gereicht; jetzt ist er auf ein kleines Wäldchen prächtiger dnnkler Steineichen auf der Höhe zusammengeschmolzen, eine Bauminsel inmitten der blühenden, von Thymian lind Minze duftenden Grassteppe, zugleich ein herrlicher Aussichtspunkt, von dem man hinaus in die Nieitc Cmnpagna nnd über die Thnlsenkung des Almo hinweg nach der braunen Stadtmaner und den ragenden Türmen der Porta San Sebastiane» sieht. An solchen Thalnngen nnd noch besser an künstlichen Einschnitten kann man den geologischen Bau der Cmnpagna besonders gut er-