Beitrag 
Frankreichs Bevölkerung und Heeresersatz
Seite
380
Einzelbild herunterladen
 

380

Der Sinn dos (Lhristentnins

dieses Rückgangs der Bevölkerung von einer weitern kolonialen Ausdehnung absehen solle. Was nützt es, fragt er, den kolonialen Besitz immer zn ver­mehren, wenn wir ansier stände sind, die nötigen Kolonisten zu liefern, die Kolonien zn kultivieren nnd nutzbringend zu machen? v. w.

Der Sinn des Christentums

u dem Aufsatze in Heft 3 und 4 über Hilth ist erwähnt worden, das; dieser Wcgzeiger zum Glück den Zweifel daran für erlaubt erklärt, ob das verwässerte und verblaßte Christentum, das wir heute haben, ursprünglich beabsichtigt gewesen sei. Hätte er seinen Blick zugleich auf die Zeiten gerichtet, wo, um in seiner Sprache zn reden, die Christenheit Gott ganz audre Dinge angeboten hat, als die er will: Gezänk um Glaubensbetenntnifse, Kreuzzüge, Geißelungen, Ablaßgelder, Ketzer- und Hexenverbrennnngen, so würde ihm der Zweifel »och berechtigter erschiene» sein. Dieser Zweifel bedeutet aber doch nichts geringeres, als daß man vermnten dürfe, die Erlösung sei mißlungen, und die Weltschöpfuug, deren Vollendung die Erlösung sein soll, sei ein verpfuschtes Werk. Und da muß nnn ich, das Weltkind, dem Christen Hilty gegenüber bekennen, daß ich diesen Zweifel nicht teile, sondern die Schöpfnug wie die Erlösung für gelungen halte. Die Menschen bieten Gott fortwährend etwas andres an, als was dieser im Neuen Testament fordert, oder verschließen vor dessen Verkündigung beide Ohren, weil diese Forderungen für die Mehrzahl unerfüllbar sind, während jedermann imstande ist, Gebete herunterzusagcn, Geld für mancherlei Zwecke zu spenden nnd Andersgläubige zu verfolgen. Hegt man die Überzeugung, daß diese Forderungen nur für die Auserwählten gelten, nnd daß die Mehrzahl so leben soll, wie sie eben lebt, dann ist die Absicht des Stifters der Kirche erfüllt. Dem Glauben gegenüber, Gott habe durch Christus die ganze Mensch­heit in eine Gemeinde der Heiligen nmschaffcn wollen, ist der Spott voll be­rechtigt, den der Vorwärts alljährlich über die Friedensbotschaft des Weihnachts­engels anSgießt, oder vielmehr über die Leute, die vorgeben, an diese Botschaft zu glnnben, während jetzt, neunzehnhnndert Jahre nach der Verkündigung dieser Botschaft, die Losnng dieser Leute ist: Mehr Panzerschiffe, mehr Kanonen und: Nieder mit den Konkurrenten.") Von dem Ziele, das die Kirche aufstellt, ist die Menschheit heute mindestens ebenso weit entfernt wie zn der Zeit des Kaisers

*) Der Bulgatatext: in tsrr» psx Kommibus dooao voluntatis, giebt zum Spott überhaupt keinen Anlaß, denn daß es einzelne Menschen giebt, die durch Christus den innern Frieden er­langen und auch äußerlich Frieden halten, kann kein Sozialdemokrat leugnen; dagegen ist das in tsi-rg, für sich allein einfach nicht wahr, und das freilich durch alle griechischen Codices bezeugte -vSo---« (für ^So-»«!?) ein sinnloses und grammatisch unmögliches Anhängsel.