Beitrag 
Die deutsche Weltpolitik. 2
Seite
330
Einzelbild herunterladen
 

330

Gin russischer Minister als Nationalökonom

der Leibeigenschaft, Vernichtung der dentschen Beziehungen znm' Weltmarkt durch Zollkriege und Beseitigung der Handelsverträge, Beschränkung der poli­tischen und der geistigen Freiheit usw. Es wäre unverständlich, daß eine wirt­schaftliche Vereinigung zu so harten reaktionären Mitteln greift, wenn mau nicht wüßte, daß damit zugleich eine kleine Gruppe ihren politischen Throu wieder sichern will, von dem sie zu stürzen droht. Diese Tendenz, die der Bund der Landwirte verfolgt, zwingt jeden, der den Schutz uud die Erhaltung der deutscheu Übersceinteressen für notwendig hält, den Blind der Landwirte als antinational zu bekämpfen. Das genügt nicht, daß man eine Mitgliedskarte zur Kolouialgesellschnft oder zum Flottenvereine nimmt; mancher „Kolonial­politiker" läßt sich allerdings genügen, damit seine „nationale Gesinnung" zu bethätigen, und wenn er ein übriges thun will, dnun schimpft er noch auf Eugen Richter oder Bebel, weil das gesellschaftlich keinen Schaden bringt. Aber den Bund der Landwirte, der nicht weniger gefährlich ist als diese, zu bekämpfen, kann gesellschaftliche Nachteile bringen. Dn werden diese Herren sich hüten, ihren „nationaleu Sinn" ernsthaft zu bethätigen. Es geht aber heutzutage nicht mehr, daß mau die Kolonialpolitik als Zeitvertreib oder Sport uud Quelle für mehr oder minder niedliche Orden betrachtet. Die Welt­politik ist eine Frage geworden, von deren Lösung die Existenz vieler Millionen Meuschcu abhängt. Und die Vereine, die die Forderung der Kolonial- und Weltpolitik auf ihre Fahnen schreiben, dürfen sich nicht nn allerhand mehr oder minder zwecklosen Resolutiöucheu begnügen, die Kinderspiel sind im Vergleich zu der Große der Sache, fondern sie müssen aktiv vorgehu gegen die Feinde ihrer Sache, die die Sache der Gesamtheit ist. Aber freilich, das ist ja nicht zu verlangen, so lange allerhand welke Größen ihren geheimrütlichen oder exzellenten Perückenstanb auf das grüne Laub der kolonialen Sache schütteln dürfen.

Gin russischer Minister als Nationalökonom

in Abriß der Geschichte der Nationalvkonomik — dein: das ist mit dem Titel des uns vorliegenden Bnchs") geineint — wäre cm sich kein für ausführliche Besprechung nn dieser Stelle ge­eigneter Gegenstand, denn jeder leidlich Unterrichtete weiß ja im voraus, was darin steht; aber wenn der Leser erführt, daß der Versasser russischer Fiuanzministcr gewesen ist, so wird ihn die Neugier locken,

Ksc^isss« Äs littsraturs xolitioo-soonomiiiiis Mi' Oni'. I'ungo, anoion xrokosssur ü, I'rmivorsitv äs Xisv, auvisv mioistrv äos Knimoos st pzMcksnt äu Vowitü äss miiüstro». D'tulmt Kusss. L.vov «Q portrmt äs t'autoni'. MIs st Sonvvo, cisorA st vu., 1898.