Beitrag 
An der Schwelle des Orients :
(Schluß)
Seite
304
Einzelbild herunterladen
 

304

einen Herrn zu verschaffen, der imstande wäre, dieses Glaeis von Siebenbürgen westeuropäischer Kultur anzugliedern uud dieses Land zu der auch militärischen Tüchtigkeit herauzuziehn, die es in dem russisch-türkischen 5!!riege von 1878, vor allem in den ruhmvollen Kämpfen um Plevna gezeigt hat. Die Lebensfähig­keit, die Rumänien damals bewiesen hat, verhinderte nicht nur, daß es selber von Rußland in das ihm zugedachte Vasallenverhältnis hinabgedrückt wurde, sondern daß neben ihm und dem vergrößerten und zum Königtum erhobnen Serbien ein dritter Pufferstaat, Bulgarien, auf der Bnlknnhnlbinset entstand. Der Religion nach, wie Griechenland, russisch-katholisch und damit dem Orient angehörig und nach dem Bildungsstand der Massen und der Solidität der regierenden Klassen noch keineswegs der europäischen Zivilisation angegliedert, sind alle diese Staaten doch als Verfassungsländer in die Reihe der euro­päischen Knlturstaateu eingetreten. Wären ihnen allen dauernd ebenso kraft­volle und kluge uud redliche Fürsten beschieden, wie Rumänien eiuen in seinem König hat, so könnte man hoffen, daß sich unter dem Schnhe der Ver­fassungen und nnter einer ehrlichen Verwaltung diese Länder im Lanfe eines Menschenalters geistig uud sittlich vollkommen der westeuropäischen Kultur eiu- glicderu würden, während sie heute noch Zwittergebilde von dieser uud orien­talischem Wesen sind. Damit würde die Schwelle des Orients nicht mehr von der Donau auf ihrem Laufe zwischen Belgrad und Orsova dargestellt werden, sondern südwärts bis vor die Thore Konstantinvpels gerückt sein. Inwieweit jedoch der rnmünische Kronprinz, wie man es hoffen und wünschen möchte, Mann dazn sein wird, die von seinem Oheim ruhmvoll begonnene Arbeit weiterzuführen, ob es Serbien beschieden sein wird, anstatt der allein Anschein nach dem Untergang geweihten Dhnastie der Obrenowitsche ein geeignetes Fürstenhaus zu bekommen, ob nicht der drohende Zusammenbruch von Österreich- Ungarn schließlich doch noch der ueuen orientalischen Vormacht die ganze Balkanhalbinsel in den Schoß wirft, das kann heute niemand sagen.

Die Verdopplung der deutschen ^chlachtflotte

„Unsre Zukunft liegt nuf dem Wasser,"

eitdem der Kaiser am 18, Oktober v. I, im Hamburger Rathause nach dem Stapellnufe des Linienschiffs „Kaiser Karl der Große" in schwungvoller Ansprache auf die Notwendigkeit einer aber­maligen Verstärkung der deutschen Flotte hingewiesen hat, ist eine mächtige Bewegung durch das deutsche Volk gegangen. Mit der Kraft einer Naturgewalt hat sich die Überzeugung Bahn gebrochen, daß die deutsche Weltpvlitik nicht einer persönlichen Lauue, auch nicht politischem.