Beitrag 
Biographische Litteratur :
(Schluß)
Seite
297
Einzelbild herunterladen
 

An der Schwelle des Grients

297

z. B. zu dem jungen Deutschland nach den neusten Büchern gemeint, sondern die Rechnung müßte von Grund an, ganz ernsthaft und mit der Gegenprobe gemacht werden: Welche Defekte würde uuser geistiges und litterarisches Leben heute haben, wenn Rahel nicht gewesen wäre? Wir gewinne,! auch nichts dadurch, daß der Verfasser dem Orakelmann Brandes seine Phrasen nachschreibt, z. B, „Rahel ist das erste große und moderne Weib im deutschen Kulturleben," Das hat Berdrow so gefalleu, daß er hinzufügt: „Eine solche Erscheinung mußte bahnbrechend wirken und eine ganz neue Auffassuug vom. Wesen nnd von der Bedeutung der Frnn in Deutschland herbeisühreu." Rahel habe der heutigen wirtschaftlichen Emanzipatiou der Frauen vorgearbeitet, als Vor­kämpferin für die geistige Befreiung ihres Geschlechts, und sie selbst habe das Streben nach intellektueller und sozialer Selbständigkeit am kühnsten uud er­folgreichsten in sich verkörpert. Ich gebe diese Sätze hier nicht wörtlich, aber doch auszugsweise uud ohne alle Verantwortung, Ich verstehe von der Frauen­bewegung viel zn weuig, als daß ich wüßte, ob sich ihre heutigen Führeriunen zu diesem Stammbanm bekennen würden. Höchstens würde ich mir dann ge­trauen zu sagen, daß Nnhcl ihren Geist auf keine ihrer redenden und schrei­benden Nachfolgerinnen vererbt Hütte, Möge das inhaltreiche Buch viel ge­lesen werden, anregen und nützen! A, p.

An der schwelle des Orients

von L. Ad. Letzer (Schluß)

ach Passierung des Grebendefilees hatte der Kapitän, der bisher das Schiff durch die schwierigere Strompartie von Golnbaz ab selbst geführt hatte, das Kommaudo an den erstell Leutnant ab­gegeben, nnter dem trotz dem stürmischen Winde in elegantem Bogen au der Landebrücke von Milauowaz migefahreu worden war. Uilter seiner Obhut ging es nun weiter stromabwärts der Kazaneuge zu.

Wie lim das Auge ausruhn zu lasse» für den nenen Geuuß des schönsten Teils der ganzen Strvmpnrtie zwischen Golubaz nnd Tnrn-Scverin, für den Kazanpnß, dessen Eingang schon von weitem kenntlich ist durch eine steil ab­stürzende Felswand, mit der ein langgezogner hoher Bergrücken gegen die Donau hin endigt, fließt nun der Strom von Milauowaz bei Gvlubiuje zwischeu sanft aufsteigenden Hängen dahin, vorbei an dem ungarischen Sviniza, das wie das serbische Milauowaz und Golubinje Ruinen römischer Vefesti- glmgsbauteil birgt; zur Rechten sind nur noch die serbischen Berge mit ihren

Grenz boten I 1900 88