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Nach der Bescherung
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Nach der Bescherung

von Georg Stellanus

ie hatten, um Unvergängliches zn feiern, tote Dinge an einen sterbenden Baum gebunden und fühlte» sich glücklich.

Sie waren gute und zufriedne Menschen, die alles gethan hatten, was in ihrer Macht stand, um Weihnachten für sich und die Ihren zn einem Freudenfest zu machen. Sie hatten sich mit liebevollem Gedenken, mit Sendungen nnd Kränzen der Armen und Kranken, der fern von ihnen Weileudeu und derer erinnert, die für immer gegangen waren. Viel Unruhe hatte es ihnen verursacht, vieles Laufen, gewaltiges Nachdenken, Aus­suchen nnd Feilschen, damit niemand vergessen und jedes aufs beste fein sollte und nun war alles vorüber.

Seine Eltern waren zur Bescherung dagewesen; er hatte sie heimgebracht und war eben zurückgekommen, ein echter Weihnachtsmann: Hut und Rock, sogar die Augenbrauen und das Bärtchen waren mit leichtem Flockenschnee bedeckt.

Sie hatten die Thür zwischen dem Wohn- nnd Schlafzimmer offen gelassen, weil sie so vom Kamin aus, vor dem sie saßen, uud worin uoch die großen Jul- buchcnscheite glühten, Ernstchen in seinem kleinen weißen Bett sehen konnten, wie er, den neuen Hampelmann im Arm, den nusnahmsweis versäumten Schlaf behag­lich nachholte.

Ja, sie fühlten sich glücklich. Das ganze unruhige Treiben der letzten Tage mit der zerstreuenden Verantwortung, die auf ihnen geruht hatte, daß alles klappen nnd nichts vergessen werden sollte, lag hinter ihnen. Das Herdfeuer leuchtete noch so schön, daß sie alles Licht ausgelöscht hatten, um sich der rosenrot schimmernden Glut zu erfreuen, die ihnen den Tcmnenbmim, den Bescherungstisch und das liebe Heim in so freundlichem Lichte zeigte.

Sie hatte sich auf seiueu Schoß gesetzt, wie sie es in der Dämmrung gern that oder abends, wenn nicht mehr gearbeitet oder gelesen wurde. Ihr liebes blondes Köpfchen mit dem Ruschelbuschelhaar hatte da schon seinen ganz be­stimmten Platz auf seiner Schulter, und wenn sie so an seiner Brust ruhte und Ernstchen in seinem Bett gut aufgehoben wußte, war für sie die gauze übrige Welt mit ihren Freuden und Sorgen nicht mehr da.

Es war ihnen, als wäre der wahre Weihnachtsfriede erst jetzt in ihre Herzen eingezogen. Draußen tiefste Stille: die über die Erde gebreitete Schneedecke hatte auch das Tagesgeräusch unter ihrem weichen Flaum zur Ruhe gebettet. Der Tannen- bamn, die Hyazinthen- und Maiblumeustöcke auf dem Weihnachtstisch erfüllten das Gemach mit leichtem, an den schönen grünen Wald nnd an das wonnige Frühjahr gemahnendem Duft.