Die französische Revolution und die sozialistischen Ideen
eim Beginn der Schreckenszeit des französischen Nevolutionszeit- nlters, während der ersten Hälfte des Jahres 1793 schrieb Camille Desmoulins das Folgende: „Jenseits Marats beginnt ein unbekanntes Land." Dieses Land, das jenseits des von Marat beherrschten revolutionären Gebiets beginnen sollte, ist uns seitdem leidlich bekannt geworden: es ist das Land des Sozialismus, der Sozialdemo- kratie, oder (wie man damals sagte) des Kommunismus. Denn daran muß festgehalten werden, daß die beiden Grundgedanken des modernen Sozialismus: Organisation der Arbeit und Ausantwortung der Arbeitsmittel an die Arbeiter beim Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts noch nicht ausgebildet, geschweige denn sormuliert worden waren, und daß die radikalen Geister, die damals die Infragestellung der alten und die Herstellung einer neuen Wirtschaftsordnung verlangten, nahezn ausnahmlos den gleichen Anteil aller Staatsbürger an dem nationalen Besitz als letztes Ziel der Entwicklung ansahen.
Auf den ersten Blick erscheint es unerklärlich, daß ein Frennd Dantons, der auf die Entfesselung der radikal-revolutionären Leidenschaften weitgehenden Einflnß geübt hatte, daß ein solcher Mann das Bereich der sozialen Umgestaltungen als ein unbekanntes angesehen und Marat, deu Rotesten der Roten, als diesseits dieser tsrr» inooZnita, angesiedelt bezeichnet haben soll. Ist doch ollgemein bekannt, daß die größte politische Umwälzung der neuern Zeit zugleich eine soziale gewesen ist, die die beiden ersten Stände aus ihrer Machtstellung verdrängte, den dritten Stand an ihren Platz setzte nnd dem vierten Stande (dein der Besitzlosen) zeitweise einen Anteil an der öffentlichen Gewalt einräumte, wie er ihn niemals vorher und niemals nachher gehabt hat. Wir wissen ferner, daß die Lehre von der Omnipotenz des Staats ein Erzeugnis der französischen Nevvlntionsdoktrin gewesen ist, nnd daß namens nnd kraft dieser Lehre so weit- Grenzboten IV 1899 77
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