(Lhamberlains kleiner Krieg
von Hugo Bartels
n einem frühern Aussatze über Joseph Chamberlain (Grenzboten 1898, Heft 17 und 18) faßten wir unser Urteil über diesen Vertreter der ueuen Diplomatie dahin zusammen, daß er kein Staatsmann sei. Wenn an der Richtigkeit dieses Urteils noch der geringste Zweifel möglich war, die Weise, wie Chamberlciin seinen kleinen Krieg in Sudafrika herbeigeführt hat, muß ihn lösen. In England freilich wird Chamberlciin noch von der Jingopresse als ein Ausbund von Geschicklichkeit gepriesen. Doch vom Kapitol zum tarpejischen Felsen ist es nicht weit, nnd wenn England nach dem Ende des gegenwärtigen Kriegs seine Kostenrechnung an Blut überschaut, dürfte es mit Bitterkeit ans dem Taumel der Chamberlaiuvergötterung erwachen.
Der Masse des englischen Volks ist der Glanbe eingeimpft worden, daß der Krieg gegen die Bnren ein Kampf nms Recht gegen Bedrückung nnd Vertragsbruch, ein Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit sei. John Bull ist felsenfest überzeugt, daß er zu allen Zeiten nur von den edelsten und reinsten Beweggründen beseelt gewesen sei, und daß, wenn ihm seine menschenfreundliche und uneigennützige Handlungsweise reichen Vorteil gebracht habe, dies nur der wohlverdiente Lohn sei, den der Himmel dem Gerechten zolle. Wenn andre Volker vom Schicksal weniger begünstigt worden sind, so ist das entschieden nur eine Folge ihrer Sünden. Erst vor wenig Tagen hat der Dechant Farrar von Canterburh dieser Überzeugung in einer schwülstigen Predigt Ausdruck gegeben. Nach ihm ist Frankreich in Unsittlichkeit (das ist Farrars Leibstecken- Pferd) und Gottlosigkeit versunken; das böse unersättliche Deutschland mit seiner ungeheuer» Rüstung (nm die Hälfte billiger als die englische) nnd seinem himmelanstrebenden Ehrgeiz bereitet sich vor, einen verzweifelten Kampf um Kr?»zlioien IV l«W 70