Zur baltischen Frage und zu ihrer Lösung
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Ob dem Verfasser die soeben erschienenen „Hamburger Bilder für Kinder" seiner Landsmännin Ilse Frapcm (Hamburg, Meißner) zusagen würden? Sie sind ganz kurz, meistens ohne jede Pointe, höchstens mit einer gewissen Absichtlichkeit realistisch beschreibend, scheinbar naiv, etwas im Tone von Andersens „Was sich der Mond erzählt." Sie handeln von dem Hamburger Straßentreiben und dem hünslichen Leben der kleinen Leute, namentlich der Kinder, die Darstellung ist auch einem Kinde in den Mund gelegt, Wer Hamburg nicht kennt, könnte sich danach wohl eine Vorstellung von seinen Äußerlichkeiten machen. Aber ein richtiges Kind würde sich bei einem solchen Buche langweilen, am meisten wahrscheinlich ein Hamburgisches, wie der Bauer, dem man eine Dorfgeschichte zu lesen gebeu wollte. Ganz so leicht und einfach ist es denn doch nicht, Bücher für Kinder zu schreiben, und damit, daß sie über Kinder handeln, ist es noch nicht gethan. A, P.
Zur baltischen Frage und zu ihrer Lösung
Von V. Heinrich
ie politischen nnd die ökonomischen Zustünde in den russischen Ostsee- Provinzen sind durch die Negierungsmaßregeln der letzten Jahre derartig geworden, daß an jeden denkenden Balten die Frage herantritt: Wohin wird das führen? und: Was thun? Ich glaube, daß in: ganzen nur wenig Balten in die Zukunft vorausschauen, und viele uur an die Gegenwart denken. Man ist in den Ostsee- Provinzen zu sehr mit der Vergangenheit beschäftigt und steht so ganz unter ihrem Banne, daß man sich gar nicht klar darüber wird, welcher Zukunft die Heimat entgegengeht. Auf die vergangne, bevorzugte Stellung »nd seine Kultur Pochend ist man nur zu sehr geneigt, sich die Zukunft in allzu rosigen Farben auszumalen. Dazu kommt noch, daß nur wenig Balten Rußland und das russische Volk genügend kennen, es deshalb in vieler Beziehuug falsch beurteilen nnd vor allen Dingen unterschätzen. Überschätzung der eignen Befähigung und Leistungen und Unterschätzung des Gegners sind die beiden Gründe, die den größten Teil der Balten veranlassen, einen vollständig aussichtslosen Kampf gegen den weit mächtigern Gegner zu führen und ihn durch eiuen passiven Widerstand zu Maßregeln zu reizen, die die Lage der Balten nur noch quälender machen, vor allen Dingen aber das gegenseitige Verhältnis beider Parteien nur verschlechtern.
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