Beitrag 
Das Neuchristentum in der französischen Litteratur
Seite
368
Einzelbild herunterladen
 

368

Skizzen aus unserm heutigen Volksleben

schon erhebt sich der furchtbarste Feind, den das Christentum je gehabt hat, Nietzsche, der nicht nur das Dogma begräbt mit seinem Rufe: Gott ist tot, sondern die ganze Weltanschauung des Christentums bekämpft, den Altruismus, der bisher selbst die Ungläubigen im Baunkreis christlicher Gedanken festhielt. Er wird langsam in Frankreich bekannt, und mit ihm, nicht mit Claude Bernard und Renan wird das Neuchristentum den entscheidenden Kampf kämpfen müssen.

Skizzen aus unserm heutigen Volksleben

von Fritz Anders

Dritte Reihe

S. Das Eisenbahnunglück

o ein Kommerzieurat ist wirklich ein geplagter Mann. Nicht allein, daß er zu Hans nicht aus den Geschäften herauskommt und wo­möglich noch zwischen Snppe und Braten mit Berlin oder Hamburg sprechen musz, auch unterwegs und im Eisenbahnwagen erwarten ihn seine Angestellten, ni» Befehle entgegen zu nehmen, wobei dem hoch- löblichen Publikum erlaubt wird, niit scheuer Neugierde einen Blick ans die Größe uud Leistungsfähigkeit des Hauses Movsheim zu werfen. Denn ich rede hier von dem Kvmmerzienrat Moosheim in Dornbach und seineu wöchentlichen Inspektionsreisen zu seinen Werken. Wenn nämlich der Herr Kvmmerzienrat von Dornbach über Schlüben nach Beckensen fahrt, Pflegt unterwegs Herr Weber ein­zusteigen, ein paar Stationen mitzufahren, Vortrag zu halten, Befehle entgegenzu­nehmen und dann zurückzukehren, während der Herr Kommerzienrat weiterfährt.

So geschah es auch au dem Tage, wo meine kleine Geschichte beginnt. Der Herr Kommerzienrat fuhr zusammen mit Herrn von Böreboom, dem er die Be­deutung und die Ansprüche der Industrie gegenüber den agrarischen Forderungen auseinandersetzte. Jetzt stieg Herr Weber ein. Ich habe einen Zimmermeister ge­kannt, der pflegte über seine Leute zu verfügen, indem er sagte: Da schmeiße ich zehn Mann dahin, und sechs Mann schmeiße ich dorthin. So schlimm machte es nun der Herr Kommerzienrat nicht; vielmehr benahm er sich ganz manierlich, faltete seine fetten, ringgeschmückten Finger über dem Bäuchlein und setzte seinen Nasen­kneifer auf, gleichsam um schärfer denken zu können. Aber zehntausend Zentner warf er hierhin, nnd fünftausend dahin, als wenn es Fangebälle gewesen wären. Und Herr Weber schrieb alles iu seiue Brieftasche.

Haben Sie auch den Posten an Kamecke und Sohn effektuiert? fragte der Herr Kommerzienrat.

Noch nicht, Herr Kommerzienrat. Lieferzeit ist der zwanzigste.

Wieso: zwanzigste? Habe ich Ihnen nicht gesagt, Weber, das Haus Moos-