Die neue Aottenfrage
ls vor reichlich zwei Jahren der Kampf um die Flottenvorlage heiß entbrannt war, haben die Grenzboten mit vornan gestanden und sich redlich bemüht, unter den gebildeten Deutschen Verständnis und Interesse für die Weltpolitik des Kaisers und der verbündeten Negiernngen wachzurufen. Wenn es mir vergönnt war, dabei mitzuarbeiten, so war ich mir wohl bewußt, daß die politischen und namentlich die wirtschaftspolitischen Vorstellungen, von denen die Flotten- frennde ausgingen, nicht überall gleich waren. Aber nur um so mehr wurde ich in der Hoffnung bestärkt, daß es doch noch rechtzeitig gelingen werde, trotz aller doktrinären Zwiespältigkeit die Masse der gebildeten patriotischen Männer im Reiche um des Kaisers Panier zu sammeln, wenn es zu dem uus durch die Entwicklung der nationalen und internationalen Verhältnisse aufgezwunguen Entscheidungskampfe kommt um den unsrer Zukunft uun einmal unentbehrlichen Anteil an der Weltwirtschaft. Die damaligen Bemühungen haben praktisch zwar nur einen ziemlich armseligen Zwischcnerfolg gezeitigt, aber sie haben es doch wenigstens im Grundsatz zur Anerkennung gebracht, daß große Entscheidungen in der Weltpvlitik bevorstehen, und daß, um siegreich aus ihuen hervorzugehn, das Deutsche Reich gerüstet sein muß auch als Seemacht.
Mit treffender Schärfe hat der Kaiser in seiner Hamburger Rede am 18. Oktober dieses Jahres die heutige Lage gezeichnet. Er wies darauf hin, daß Ereignisse, die umwälzend wirkten auf dem Gebiete der internationalen Beziehungen sowohl wie auf dem des nationalökonomischen Lebens der Völker, und die in alten Zeiten Jahrhunderte zum Reifen brauchten, sich heute in wenig Monaten vollzögen. Dadurch seien die Aufgaben für Reich und Volk in 'nächtigem Umfange gewachsen und forderten vom Kaiser und von den ver- Grenzbotm IV 1899 " 42