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Die Staatsregierung und die Konservativen in Preußen
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Die ^taatsregierung und die Konservativen

in Preußen*)

urch die Verwerfung der Kanalvorlage im preußischen Abgeord­netenhause und durch die vom Staatsministerium verfügte Zur- dispositioustellung der politischen Beamten, die als Mitglieder des Hanfes der Abgeordneten gegen die Vorlage gestimmt haben, ist ein politischer Zustand geschaffen worden, wie er in gleicher Ausprägung und Schärfe im preußischen parlamentarischen Leben noch nicht dagewesen ist. Wer mit dem politischen Leben Preußens einigermaßen vertraut ist, kann sich nicht darüber täuschen, daß es sich hier um mehr als einen bloß äußerlichen Vorgang handelt. Der Konflikt zwischen der Staatsregierung und den konservativen Parteien bernht vielmehr nnf einer in die Tiefe gehenden Verschiedenheit grundsätzlicher politischer Auffassungen. Es handelt sich um mehr als einen bloß vorübergehenden parlamentarischen Tageskampf. Es handelt sich um einen Kampf von großer Tragweite, um eine dauernde Krisis, die an die Grundpfeiler der staatlichen und monarchischen Ordnung heranreicht. Das Endergebnis dieses Kampfs und dieser Krisis wird für lange Zeit die gesamte Weiterentwicklung des politischen Lebens in Preußen bestimmen

") Die nachstehenden Ausführungen waren im wesentlichen schon geschrieben, als in Nr, 41 der Grenzboten der Aufsatz von Georg BnumertDer Mittellandkanal und die konser­vative Partei in Preußen" erschien. Wenn auch beide Beurteiler im Endergebnis fast genau übereinstimmen, so gehn ihre Auffassungen in einzelnen Punkten doch auseinander. Beide sind Freunde des Kanals, und beide stehn auf konservativen: Boden, aber jeder von ihnen sieht die Lage, die durch die Ablehnung der Kannlvorlage und das entschicdne Vorgehn der Negierung gegen die kmmlgegncrischcn Abgeordneten, die zugleich politische Beamte waren, geschaffen worden ist, von verschiednen Seiten an. Wir nehmen daher an, das; auch dieser Aufsatz für die Leser der Grenzboten Interesse haben wird.

Grenzboten IV 1899 öS