260
vom alten Dittersdorf
Unwichtigem, die der militärische Dienst nicht kennen darf. Dazu kommt dann leider beinahe in jedem einzelnen Falle ein ungünstiger äußerer Umstand, sodaß dem Helden dieser Erzählung auch nicht die leiseste Verfehlnng geschenkt wird, und er ganz zuletzt stumm resigniert nur noch leidet, was nicht mehr zu ändern ist. Die Schilderung ist sehr ausführlich, man sieht daraus bis ins kleinste, wie es hergeht, alles Mitgeteilte macht den Eindruck großer Wahrheit und Sachlichkeit. Es kann ja sein, daß Lesern, die Unterhaltung suchen, die pennälerhaften Kneipabende zu ausgedehnt oder die typischen Witze der sächsischen Kadetten entbehrlich scheinen werden. Aber das ist alles so echt und gut, daß es dem Bilde nicht fehlen durfte. Um ein Unterhaltungsbuch in gewöhnlichem Sinne handelt es sich auch dabei gar nicht. Vielleicht darf man es als eine Khrupädie für künftige Avantageure ansehen. A, p.
Dom alten Dittersdorf
it Recht ist in diesen Wochen der hundertjährige Todestag Carls von Dittersdorf. — der nach dem Freyenwaldauer Kirchenbuch von dem bisherigen Datum des 31. auf den 24. Oktober zu verlegen ist — in einer Anzahl deutscher Kouzertsüle durch Aufführung Dittcrsdorfscher Werke begangen worden. Denn Dittersdorf gehörte als Violinvirtuos und als Komponist zu den musikalischen Größen Deutschlands im achtzehnten Jahrhundert. Seine Opern haben sich lange erhalten; noch vor dreißig Jahren wurde sei» „Doktor und Apotheker" hie und da gegeben nnd von den Leuten gern gesehen und gehört, die für ähnliche Sitten und Zeiten, wie sie uns Goethe in „Hermann und Dorothea" geschildert hat, noch etwas übrig haben. Wir wissen nicht, ob es an Dittersdorf oder an unsern Theatern liegt, daß er als Bllhnentomponist selbst bei diesem Pietütsanlaß nur sehr wenig berücksichtigt worden ist, freuen uns aber um so mehr, daß die Konzertinstitute seiner reichlicher gedacht haben- Er selbst hat neben seinen Oratorien seine Jnstrumentalmerke für das Beste gehalten, was er leisten konnte, und es will scheinen, daß das anch für unsre Zeit noch etwas bedeutet. Wenigstens ist von seinen Orchestcrkvmpositionen und von seiner Kammermusik in den letzten Jahrzehnten immer mehr und mehr wieder zum Vorschein gebracht worden: ein halbes Dutzend Streichquartette, neun Sinfonien, eine Ouvertüre und ein Divertimento liegen jetzt in Partitur neu- gedruckt vor.