Die Zunahme der Grundverschuldung in Preußen
achdem das Königlich Preußische Statistische Bureau im Jahrgang 1898 seiner Zeitschrift über die Verschuldung des ländlichen Grundbesitzes in einer Anzahl sogenannter „typischer" Amtsgerichtsbezirke von 1883 bis 1896 auf Grund besondrer Erhebungen ein ziemlich umfangreiches Zahlenmaterial veröffentlicht hatte, sind in dem jüngst erschienenen zweiten Vierteljahrsheft des laufenden Jahrgangs derselben Zeitschrift die Hauptergebnisse der Statistik der Hypothekenbewegung im ganzen Staat für die Jahre 1895, 1896 und 1897 mit Rückblicken auf die Vorjahre bis 1386 zurück mitgeteilt worden. Diese Unterlagen für die Beurteilung der Lage der preußischen Landwirtschaft finden eine Ergänzung in der im ersten Vierteljahrsheft von 1899 vorliegenden Statistik der Zwangsversteigerungen in den Jahren 1886 bis 1896 und des Besitzwechsels land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke vom 1. April 1896 bis zum 31. März 1897.
Leider steht der sachliche Wert dieser ganzen Statistik in keinem richtigen Verhältnis zu ihrem papiernen Umfange, wenigstens für den, der auf die Frage, ob die preußische Landwirtschaft in einem Übcrschuldungsnotstande ist oder nicht, eine sogenannte „zahlenmäßige," ja überhaupt eine bestimmte Antwort erwartet. Während die Subhastationsstatistik fortlaufend abnehmende Zahlen aufweist und sonach gegen einen wirklichen Notstand unzweideutig Zeugnis ablegt, d. h. gegen einen solchen, worin der Staat im Interesse der Allgemeinheit auf allgemeine Kosten besondre Unterstützungen zu leisten verpflichtet wäre, zeigt die Statistik der Hypothekenbewegung fortlaufend zunehmende Zahlen, die unter Umständen als Nvtstandszeichen gedeutet werden könnten. Aber über das Vorhandensein dieser Umstünde läßt uns leider die Statistik im unklaren. . .
Grenzboten IV 1809 29