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Versuche einer Erneuerung des Christentums
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Aarl Theodor, Herzog in Bayern

die Massen des gemeinen Volkes ergriffen hat, fürchten ihn nicht allein die Besitzenden, sondern auch die von deren Gnade lebenden Gebildeten, und in der protestantischen Welt besorgt der Besitz und Bildung beschützende Staat das Geschäft, jedem anftauchenden Lichte, wenn es nicht gerade ein technisch verwendbares ist, das Löschhütchen überzustülpen. Gerade auf dem religiösen Gebiete hat man allerdings bisher immer noch einige Freiheit walten laffen, sodaß Müller in der That Ursache hat, seine protestantischen Kollegen zu be­neiden, aber wer weiß, wie lange noch. Vom Austritt aus der Kirche will er nichts wissen; ja, wenn die Entscheidung darüber nur von ihm allein abhinge!

Karl Theodor, Herzog in Bayern

Line biographische Lkizze von Llaire von Glümer

m 9. August 1899 hat Karl Theodor, Herzog in Bayern, seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert, der große Menschenfreund, der Tausenden das Verlorne Augenlicht wiedergegeben hat und noch heute, oft auf Kosten der eignen Gesundheit, das seit zwanzig Jahren ausgeübte Samariterwerk unermüdlich fortführt. Durch beide Eltern entstammt Herzog Karl Theodor dem alten Geschlecht der Wittelsbacher, dem sowohl das bayrische Königshaus wie die ehemals Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeldische Linie der jetzigen Herzöge in Bayern ange­hören. Im Jahre 1828 vermählte sich der letzte Sohn dieses Hauses, Herzog Maximilian, ein geistvoller Mann von umfassender Bildung, mit Prinzessin Ludowika, der jüngsten Tochter König Maximilians I. von Bayern. Das vierte Kind, der zweite Sohn dieses Fürstenpaares, der am 9. August 1839 im Schlosse zu Possenhofen das Licht der Welt erblickte, erhielt die Namen Karl Theodor.

Im Laufe der Jahre wurde die herzogliche Familie noch um drei Töchter und einen Sohn vergrößert. Unter diesen acht schönen, reich und besonders begabten Kindern war der blondlockige Prinz Karl Theodor eines der eigen­tümlichsten. Dennoch ließen weder Kindheit noch Jugendjahre des Fürsten­sohnes ahnen, wie weit ab von allen Gewohnheiten seiner Standesgenossen ihn sein Lebensweg einst führen sollte.

Als Knabe meist träumerisch, schweigsam und scheinbar weich, konnte er auflodern, sich eigenwillig und thatkräftig zeigen, wenn es galt, etwas durch­zusetzen, das ihm am Herzen lag. Während er den meisten Unterrichtsgegen-