Die Thronfolge in Sachsen <Loburg und Gotha
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berechtigt, ob die parlamentarischen Vertreter des Vvlkergemischs, das diesseits der Leitha dem Kaiser Franz Joseph huldigt, an ihren wirklichen oder vermeintlichen Partikularinteressen ein kleines Opfer zu bringen bereit sind, um endlich ein normales Arbeiten der Staatsmaschine zu ermöglichen und die schwer erschütterte Autorität der Staatsgewalt wieder herzustellen.
Diesem Zweck gilt nun während der unerwartet langen Dciner der Ministerkrise die Berufung fast aller maßgebenderen Parteiführer in die Hofburg. Da der Kaiser die Unmöglichkeit der Berufung eines parlamentarischen Ministeriums erkennt, und keinen andern gangbaren Weg sieht, als die Ernennung eines wenn auch nur provisorischen Beamtenministeriums, dessen Chef voraussichtlich der Statthalter von Steyermark Graf Clary-Aldringen sein dürfte, so fordert er von dem Patriotismus der Parteieu die Ermöglichung eines Übergangszustandes durch gegenseitige Nachgiebigkeit, durch eine Art von politischem Waffenstillstand. Wie sich insbesondre die Tschechen zu dieser Forderung stellen werden, wie lange die Thätigkeit eines solchen Ministerums zur Erledigung der dringendsten Staatsnotwendigkeiten möglich sein, und wie sich daun das österreichische Problem gestalten wird, ist vorläufig eine unmöglich zu beantwortende Frage.
T>ie Thronfolge in wachsen (Loburg und Gotha
Von Stephan Aekule von Stradonitz
ach dem betrübenden Hinscheiden des einzigen Sohnes des regierenden Herzogs Alfred von Sachsen Coburg und Gotha ist die Frage, wer nun Thronfolger in den beiden Herzogtümern sein sollte, Gegenstand vielseitiger und eifriger, leider oft nicht leidenschaftsloser Erörterungen in der Presse gewesen. Auch in den Grenzboten ist die Frage zweimal behandelt worden. ^)
Nachdem die Angelegenheit nun eudgiltig geregelt worden ist, dürfte es den Lesern dieser Zeitschrift nicht unerwünscht sein, die jüngst veröffentlichten Urkunden und Coburg-Gothaischen Landesgesetze im Wortlaut kennen zu lernen. Nach ihrer Mitteilung wird sich dann die Gelegenheit bieten, an die Darlegung der durch sie geschaffnen Sachlage eine kritische Würdigung nicht nur dieser Sachlage zu knüpfen, sondern auch einiger bei der Polemik über die Frage geäußerten Anschauungen und Vorschläge. Gleich zu Eingang kann ich mir
') Heft 20 vom lv. Mai 1899, S, 388 ff. und Host W vom l. Juni 1899, S- 449 ff.