142
Maßgebliches und Unmaßgebliches
den „treulosen Witwer," wie ihn die Frauenwelt kaum in häßlicherer Gestalt finden kann. Denn obgleich Choang nicht wie jener Tschwang-Sang auch noch seine Überlegenheit als Zauberer in die Wagschale werfen konnte, in der er die Glaubhaftigkeit der Gattin wägen wollte, so war sein Scheintvdspielen doch schuld an dem Tode der Gattin, und nur ein Nichtswürdiger konnte sich, nachdem er das verschuldet hatte, sofort mit einer andern verbinden. Im übrigen suchten die englischen Dichter zn der Zeit, wo Goldsmith schrieb, mit wenigen Ausnahmen, nach französischen Mustern eruste Dinge ins Drollige zn ziehen, und der Proben, wo ihnen dies mißlang, giebt es genug.
Fragen wir mm zum Schluß, ob die Litteratur so ungerecht gewesen ist, die Witwe immer uur in dieser wenig löblichen Weise vorzuführen, so brauchen wir uus nur, um die Frage verneinen zu können, zu erinnern, daß kein Geringrer als Sophokles in seinen Trachinierinnen dem Schmerz der Gattin um den sterbenden Gatten ein unvergängliches Denkmal errichtet hat. In dem Worte Mausoleum selbst verewigt sich bekanntlich der Ruhm einer besonders treulebeuden Witwe. Denn die Gattin des Königs Mansolus, Artemisia von Karien, war es, die dieses Wort als Bezeichnung des vielgerühmten Grabtempels in ihrer Hauptstadt Hali- karnaß einführte. Wie die Dichter gesagt und gesungen haben, glaubte sie aber die Asche ihres Gatten selbst in jenem prächtigen Bau noch nicht so würdig aufgehoben, wie die teuern Neste es verdieuteu, und indem sie die Asche in einem Becher Wein auflöste und diesen trank, machte sie ihren eignen Leib zum Monument des Verstorbnen. Das ist freilich wieder ein übertreibender Zug, der au die Witwe von Ephesus erinnert, die auf dem Grabe ihres Gatten den Hungertod erleiden wollte. Zuletzt aber bleibt diesen Überlieferungen und ebenso allen jenen Verunglimpfungen der Witwe gegenüber ja für alle Ewigkeit ein Frauenbild besteh», das, wenn auch nicht als wirkliche Witwe, so doch als Strohwitwe den größten Dichter aller Zeiten zum Lobreduer uud zum Verherrlicher gehabt hat — Penelope. R. Waldmüller
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Kauu den Technischen Hochschulen das ^us äoot.ora,ncli verliehen werden? Das Verlangen der Technischen Hochschulen, auf Grund einer Prüfuug einen Titel zu verleihen, der ihren Schülern eine bestimmte Wertschätzung im praktischen Leben und in der wissenschaftlichen Welt sichert, ist durchaus berechtigt, und es wird die Entwicklung der Technischen Hochschulen erheblich fördern, wenn dieser Wunsch in angemessener Weise erfüllt wird. Indes erscheint es von vornherein auffallend, daß sie einen solchen Titel nicht aus ihren eignen, in dem modernen Leben uud seinen Bedürfnissen wurzelnden Verhältnissen heraus zu schaffe» bestrebt sind, sondern einen Titel entlehnen wollen, der vor etwa siebenhundert Jahren von den sich damals bildenden Universitäten geschaffen uud seitdem ausschließlich von den Universitäten verliehen worden ist.
Bei näherer Untersuchung zeigt sich aber, daß dem Versuche, diesen Titel deu Universitäten zn entlehnen, noch andre und sehr ernste Bedenken entgegenstehn.