Beitrag 
Kinder vor Gericht
Seite
687
Einzelbild herunterladen
 

Rousseaus Einfluß auf die französische Revolution

687

ehe er auf die ihn allein interessierende Thatsache übergeht; allein auch dies kann die Gefahr mit sich führen, daß das Kind dazu verleitet wird, dem freundlichen großen Manne zu Gefallen von dem, was er gern wisfen möchte, mehr zu sagen, als es so ganz sicher weiß. Andrerseits können ungeschickte Fragen mit schwer verständlichen Ausdrücken die Wirkung haben, daß das Kind den Kopf verliert und für den Augenblick wenigstens vollständig vergißt, was ihm noch unmittelbar vorher klar bewußt gewesen ist. Und alle diese Schwierig­keiten und Gefahren treten schon auf, selbst wenn überall der freie gute Wille, „nichts als die Wahrheit und die ganze Wahrheit" (wie sich der Locke xsiM Napoleons ausdrückt) zu sagen, vollständig vorhanden ist. Wenn man dazu noch erwägt, daß in unserm heutigen Recht das bloße „Lügen vor Gericht," wenn es nur nicht beschworen wird, mit keinen Strafen verbunden ist, dann kann man sich nur wundern, daß nicht noch viel häufiger die Fälle vorkommen, wo bewußte Lügen oder leichtsinnige UnWahrhaftigkeit für unschuldig Ver­dächtigte verhängnisvoll werden. Natürlich ist hier nicht das „Leugnen" eines Angeschuldigten gemeint, das nach dem heutigen Strafrecht eben sein Recht ist und unverkürzt bleiben soll; aber die bei vielen Personen ^ die zwar als Zeugen vernommen werden, aber nicht vereidigt werden können, immer dringlicher hervortretende Notwendigkeit, auch wegen wissentlich falscher Aus­sagen Strafen verhängen zu können, verlangt doch eine Änderung der Gesetz­gebung, die sich auch auf die Bestrafung junger, also nicht eidesmündiger, lügnerischer Zeugen erstrecken müßte.

Rousseaus Einfluß auf die französische Revolution

und die Sozialdemokratie

von Albert Lhalyba'us

enn Lombroso in seiner „Naturgeschichte des Verbrechers" von Rousseau behauptet, daß er etwas von einem Diebe und einem Vagabunden an sich gehabt habe, so erscheint dieses Urteil zu­nächst sehr hart; es erweist sich aber doch als durchaus zutreffend, wenn man sein Leben und seine Werke genauer betrachtet. Denn nicht nur, daß er, man kann fast sagen, unstet von einem Ort zum andern aus eignem Antrieb oder durch eigne Schuld wanderte, so hat er auch in seinen litterarischen Arbeiten wenig eigne, neue Ideen zu Tage gefördert. Vielmehr hat er diese zum größten Teil von andern Denkern entlehnt, z. B. den größten