Beitrag 
Deutschlands Exportbedürfnis
Seite
513
Einzelbild herunterladen
 

Döllingers Jugend

513

abergläubischen Furcht vor der Zunahme der deutschen Exportindustrie und mit einer an Haß grenzenden Voreingenommenheit gegen die Vermehrung des Natioualreichtums durch Großhandel und Großgewerbe bieten die Parteien, die zur Zeit die Mehrheit in den Volksvertretungen sind, alles auf, um die Ab­sichten der weitblickenden Staatsmänner zu vereiteln. Es ist dieselbe unver­ständige Haltung der Mehrheitsparteien, die in Preußen jetzt den Rhein-Elbe­kanal zu verhindern sucht, und die sich im Reich rüstet, den Abschluß von Handelsverträgen, ohne den unser Ausfuhrhandel verkümmert, zu hintertreiben.

Diese Zähigkeit des Unverstands in den Massen, die aber leider bis in die höchsten Regierungs- und Hofkreise hinaufreicht, wäre gar nicht möglich, wenn ihm nicht der leidige Doktrinarismus unsrer Kathederpolitiker so aus­giebig zu Hilfe käme. In England und in den Vereinigten Staaten ist dieser Einfluß ganz unbekannt. Man lese den kürzlich erst im ^ourngl ok tos lioM LtÄtistioal Looiet^ zu London veröffentlichten Aufsatz Robert Gissens über Ins llxosss «i Imports, und man wird von dem Doktrinarismus und dem Gesetz­entdeckungssport, der unsern jüngern nationalökonomischen Gelehrten zur zweiten Natur geworden ist, nichts finden. Freilich kennt auch England die Zunft­befangenheit, das Zunftstrebertum und die Zunftdisziplin unsrer Katheder- Politiker nicht. Wir wiederholen, daß weder Sombart noch von Halle einer Handelspolitik das Wort reden will, die unsern Export und unsre Export­industrie noch mehr verkümmern läßt, aber wie Sombart, so wird hoffentlich auch von Halle einsehn, daß, wer das in der Praxis nicht will, sich hüten muß, journalistisch für theoretische Lehrsätze Propaganda zu machen, die der wirtschaftspolitischen Reaktion zwar keine beweiskräftigen Argumente für ihre Sache liefern, die sie gar nicht braucht, wohl aber Schlagworte für die ge­dankenlose, unkritische Masse.

Döllingers Jugend

vllinger war am 28. Februar 1799 geboren. Als Beitrag zur Zentenarseier hat sein Schüler und Freund Johann Friedrich den ersten Band einer Biographie*) herausgegeben, mit dem er nicht allein dem großen Verstorbnen, sondern auch sich selbst ein Denkmal gesetzt hat, denn er bietet eine reiche Fülle des wertvollsten, bis dahin fast ganz unbekannten Stoffes in einer Form, die in

*) Jgnaz von Döllinger. Sein Leben auf Grund seines schriftlichen Nachlasses dar­gestellt von Johann Friedrich, Erster Teil. Non der Geburt bis zum Ministerium Abel 1799 bis 1837. München, C, H, Beck, 1899.

Grenzboten II 189g liS