Tagelöhnerhäuser
ie deutsche Agrarnot hat zwei Seiten, oder sie zeigt sich in zwei Symptomen. Das eine ist das Sinken der Grundrente und infolge dessen der Güterwerte, und das andre ist die Arbeiternot, die Flucht vom Lande. Dieses zweite Symptom begleitet nicht zufällig das erste, sondern gehört dazu, wie die eine Seite des Thalers zur andern. Bei der Rente und den Güterwerten handelt es sich um Zahlen, über deren Bedeutung man streiten kann, aber bei der Arbeiterfrage handelt es sich ohne Umweg um Menschen. Diese Erscheinung ist darum politisch wichtiger. Man hat sie sehr richtig die Flucht vom Lande genannt, denn sie ist nicht nur eine Flucht der Arbeiter, wenn man genau hinsieht. Bei diesen ist sie nur am sichtbarsten, weil die Besitzlosen am leichtesten ausreißen können, wie die Ratten vom Schiffe.
Ich will den Thatbestand schildern, wie er sich auf einem kleinen Beobachtungsgebiet, das ich genau kenne, darstellt. Es handelt sich um die nordöstlichste Ecke der Altmark, die sogenannte Wiesche, das Tiefland der Elbe, eine Gegend, die durch ihre Besitzverteilung mit dem Osten vieles gemeinsam hat. Die eingesessene Bevölkerung zeichnet sich hier dadurch aus, daß sie offenbar seit langer Zeit seßhaft geblieben ist und sich aus sich selbst heraus ergänzt hat. Fast alle Eigennamen der kleinen Leute kommen zugleich als Ortsnamen in der Altmark vor; die meisten Menschen leben hier noch in der Nähe der Orte, nach denen ihre Vorfahren vor Jahrhunderten ihren zweiten Namen erhielten. Zugleich haben sie auf diese Weise den Namen gemeinsam mit den eingesessenen Adelsgeschlechtern, die sich ebenfalls nach diesen Orten nennen. So ist der bürgerliche Name Bismarck verbreitet und bedeutet, daß sein Träger, wie andre berühmte Leute auch, aus der benachbarten Stadt Bismark stammt. Kraft der Geschichte, die sie gemeinsam durchgemacht haben, ist ihnen allen das
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