Beitrag 
Der goldne Engel : Erzählung :
(Fortsetzung)
Seite
675
Einzelbild herunterladen
 

Maßgebliches und Unmaßgebliches

675

kümmert. Nur weil die Verwandten Lärm schlugen über dies neue Glück des Vetters, das sogar Trödel zu Geld machte, ist mir die Sache hängen geblieben.

Line gab die Schwägerin nnf. Am Abend aber, als Karl längst wieder seinen luftigen Einfällen nachjagte, und Nett den Knaben in Schlaf saug, trug sie ihren Flickkorb, nnt den zerrissenen Socken der Ackermannschen Buben, zu Mutter Flörke hiunuter.

Die spitzen Reden, die eine Plnuderstunde mit der Wäscheritt jetzt allzeit ein­leiteten, lies; sie ohne Unterbrechung hinlaufen. Als die mißvergnügte Schwieger­mutter erst einmal vom Herzen hatte, daß man sie vernachlässige, uud daß Line das nicht leiden dürfe, denn wenn die jungen Leute das einmal gewöhnt würden, käm nach der Mutter auch die Schwester au die Reihe wurde sie gemütlich, holte Kaffee uud Kuchen, von denen sie zu allen Tagesstunden vorrätig hatte, und vertiefte sich mit Genuß in einen kleinen Schwatz.

Leicht konnte Line die Rede von den Pfanengebärden der jungen Frau Apo­theken» uud der wohlgenährten Dummheit der Nachbarin Grunert zur Erbpate und dem bevorzugten Vetter leukeu. Mutter Flörke erging sich zum huudertstcu male in Klagen über das entwischte Geld, als aber Line wieder treppauf stieg, wußte sie Namen uud Wohuuug des begünstigten Vetters und schrieb noch in dieser selben Nacht nm die Adresse des Mannes, der verständigen Leuten Trödel in Geld verwandelte.

(Schluß folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Die Toten von 1897. Eine Totenliste, die ans nackten Namen besteht, hat wohl etwas trübseliges, aber der Tod ist kein Übel, wenn er ein tüchtiges Leben rechtzeitig abschließt, uud eiue Sammlung von Nekrologen, die, wo es der Mühe wert war, zu Biographien erweitert worden sind, kann nns eine solche Summe herrlichsten Lebens vor Augen stellen, daß wir freudig dabei verweile» und den Tod, den Veranlasse^ darüber beinahe vergessen mögen. Der zweite Jahrgang des von Anton Bettelheim glücklich eingeführte» Unternehmens: Biographisches Jährbuch »nd Deutscher Nekrolog (Berlin, Georg Reimer, 1398), ist ein schönes Buch geworden, 468 Seiten groß Oktav mit rund 250 Artikeln, wozn noch Nach­träge über die 1896 Verstorbnen kommen. Die Organisation des Werkes war für den Leiter ein großes Stück Arbeit, und nicht minder ist es die Fortführung: die Artikel sind meistens von Provinzialreferenten verfaßt worden, bei hervorragenden Verstorbnen sind besondre Verfasser eingetreten. Im ganzen und großen ist hier nach so kurzer Zeit schon soviel geleistet, daß wir uns zn kritischen Ratschlägen, wie sie die Vorrede erbittet, nicht berufe» fühlen und lieber zeigen wollen, wie ein solches Buch mit Nutzen gelesen werden mag.

Zwei unsrer Verstorbnen sind in Heliographie abgebildet, Jakob Burckhardt nnd Johannes Brnhins. Sie werde» unter alle» die berühmtesten sein. Als Konk»rre»te» könnte» wohl »nr noch zwei andre in Frage kommen, mit sehr ver-