Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Er fühlte sie unter seiner Hand schaudern. Da war es wieder, was sie eben in dieser Umarmung vergessen gehabt hatte: ihr Gebet um Vernichtung des goldueu Engels, der feurige Hammer nnd das elende Schuldgefühl, das ihr im Herzen brannte, trotz alles Wehreus von Vernunft nnd Glauben.
Gott thut, was gut ist, nicht wahr? Und wenn wir nns die Hände wund flehen, er läßt uns nichts zn Willen geschehen, was gegen seinen Willen ist?
Karl ließ die Schwester los und sah sie zweifelnd an, er begriff nicht, was sie meinte, noch weniger, was sie gerade jetzt damit wollte: er sah immer nnr zwei Bilder vor Angen: den goldnen Engel oben in seinem Siegesslng, nnd den toten Vater nnten in dem Gewirre von Seilen und Fetzen,
Schwerfällig antwortete er: Gott thut, was gut ist — ja Liue, wir wollen uns Mühe geben, das zu glaube», es ist die beste Brücke, die man sich schlagen kann.
Sie hatte gefragt uud hörte doch die Autwort uicht, ihre Gedanken sprangen Plötzlich ab: sie fühlte die Nässe seines Rocks nnd erinnerte sich, weshalb sie von Ackermann weggegangen war. Nnr ein Wort brauchte sie, um deu Bruder willig zu machen; todmüde von Anstrengung und Erregung ließ er sich von ihr helfen und hegen wie ein kleines Kind. Er wurde sich kaum bewußt, daß sie ihn in ihren Alkoven bettete, in den die erfrischte Luft durch deu leichten Vorhang eindrang, er schlief, ehe sie noch mit ihrer Sorge für seine Bequemlichkeit zu Ende war.
Daun ging sie noch einmal hinunter zn dem Freunde.
Aber selbstverständlich, Frciuleiu Line, der Ackermanu besorgt alles, was besorgt werden muß. — Uud nehmen Sie sich Frau Flörke mit hinauf!
Frau Flörke, die nicht schweigen kann, Frau Flörke, die ihre Nebenmenschen mit weisen Anmerümgen peinigt?
Ackermann sah ein, daß einem Frau Flörke weher thuu konnte als die Einsamkeit.
(Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
„Allerlei Intimes vom Kaiser." Unter dieser Spitzmarke machte kürzlich die Tischrede eines nltpreußischen Landrats, von Kotze, die Runde durch die Zeitungen, in der dieser höhere Verwaltungsbeamte an des Kaisers Geburtstag eine Reihe ihm ans privatem Wege bekannt gcwvrdne Äußerungen und Handlungen des Monarchen aus dem letzten Jahre zum besten gegeben hat. Unter andern: soll dabei Herr von Kotze auch bemerkt haben, daß nach seinen Informationen die Ans- weisnngspolitik des Herrn von Köller, die straffe Haltung der Regierung gegenüber den Anmaßungen des Polentnms und die bisherige Nichtbestätigung des Berliner Oberbürgermeisters auf die „eigne Initiative des Kaisers" zurückzuführen seien. In letzter Sache — so soll der Landrat hinzugefügt haben — sei es überhaupt wahrscheinlich, daß der ueue Oberbürgermeister der Neichshauptstadt nicht bestätigt werden würde, da die bekannten Beschlüsse der freisinnigen Stadtvertretnng über die Ehrung der „Märzgefallnen" den Kaiser sehr verstimmt hätten und diese den