Der goldne Lugel
219
oberst Sipthvrp glicht zu verlvechseln init dem berühmten Botaniker dieses Namens), hatte unermüdlich Schilderungen der furchtbaren Gefahren entworfen, denen Gottesfurcht und gute Sitte Alteuglcmds durch den Einbruch unerzogner, ungläubiger, schmutziger Ausländer ausgesetzt sein würden. Und wenn auch die festgewurzelte Überzeugung von der Überlegenheit alles Englischen durch ihu nicht erschüttert war, hatte man doch ein Zugeständnis durch Einführung der festländischen Paßkontrolle für nicht überflüssig gehalten. Infolgedessen erkundigte sich auf der Landungsbrücke von Catheriuedocks ein Beamter nach den Legitimationen der Reisenden, nahm die Pässe in Empfang, ließ aber die meist schon durch den Bartschuitt keuntlichen Franzosen, die kurz antworteten: RötugieU ohne weiteres ihrer Wege gehen. Wir andern hatten in dem Bureau geraume Zeit zu warten, bis die angelsächsisch verunstaltete» deutschen Namen aufgerufen wurden; vermutlich unterhielt es die Beamten, die deutschen Päsfe mit ihren umständlichen Personbeschreibungen und sonstigen Weitläufigkeiten zu studieren. Eine gedruckte Aufforderung, beim Verlassen der Insel sich wieder zu melden, war das Ergebnis der Revision. Als wir wieder auf die Gasse kamen, waren alle Lohnfuhrwerke bereits verschwunden, und jeder hatte not, wenigstens Träger für sei» Gepäck aufzutreibeu, was mir besonders schwer fiel, da ich vom äußersten Osten in den damals äußersten Norden Londons, in einen nenen Anbau von Jslington mußte. Der Marsch war laug und beschwerlich genug bei kräftigem Sonnenschein und in der für die Seefahrt noch uneutbehrlichen Winterkleidung, uud ich mußte der alteu Anekdote von einem Dresdner Polizisten gedenken, der einem paßlosen Reisenden sagte, er könne froh sein, denn mit einem Passe würde er viel S.l/rerei gehabt haben. Vorläufig gelobte ich mir, bei der Abreise von dem Passe keinen Gebrauch zu macheu. Uud als es mir am folgenden Morgen endlich gelungen war, den Schlaf aus deu Augen zn reiben, genoß ich vor allem das Bewußtsein, der väterlichen Fürsorge der festländischen Negierer für einige Zeit entrückt zu sein.
Der goldne Lngel
Erzählung von Luise Glaß
(Fortsetzung)
ine stand still und sah ihm nach. Ihr war besser zu Mute als vorhin, sie hatte sich die Erregung, die sie erwürgen wollte, vom Halse geredet, sie hörte und sah wieder, was um sie her vorging, horte Frau Flörke im Waschhaus hantieren und das Lachen der Ackermannschen Bubeu, die mit Katapulten von der Stadtmauer aus nach den letzten Kastanien schössen, die der Wind den mächtigen Vorstadtbäumen gelassen hatte.
Da stieg sie hinunter, machte straffe Ordnung unter den Knaben, daß sie halb lachend, halb beschämt von ihrem Unfug abließen, und sagte zu Ackermann, der schmunzelnd in der Hofthür stand: Nichts für ungut.