Der goldne Engel
Lrzählung von Luise Glaß
(Forschung)
nngsam kam die Johannisdämmcrung herauf, sie ließ Line Stadel Zeit; der goldne Himmel warf sein heitres Licht auf ihren Stein, aber er machte sie nicht froh. Dem Gespenst, das die Arbeitszeit der Männer verschlang, fühlte sie sich widerwillig dienstbar, und das bittre Gefühl, das ihr Herz beengte, wurde stärker, als sie Vater und Bruder endlich zusammen den Gang entlang kommen horte. Heiter klang des Alten Stimme über den Hof hin, er redete vom Gas — welches das kräftigste sei, und vom Metall — welches das leichteste sei.
Denn leicht, leicht muß es werden, alles andre ist Kinderspiel, alles andre folgt daraus, wie das Fliegen ans den Luftröhren der Vvgelfeder folgt — leicht — leicht — die Erde darf uicht mehr —
Da kam er am Werkstattfettster vorbei nud sah Karolinen sitzen. Er ließ unausgesprochen, was die Erde nicht mehr durfte, er ließ aber auch das Mißbehagen, das ihn bei Karolinens Anblick packte, nicht über sich Herr werde». Er hatte es völlig aufgegeben, Neue zu empfinden, wenn er sah, daß sich die Kinder für ihn aufopferte«, ohne vorwärts zn kommen. Sie opferten sich ja gar nicht für ihn, sondern für die Menschheit, der er Flügel geben würde, und nebenbei für sich selber, denen die beflügelte Menschheit ihr Opfer mit Gold und Ehre lvhuen mnßte — mir noch ein wenig Geduld! Einstweilen aber hatte die Line ruhig ein freundliches Gesicht machen können.
Das Mädchen stand mit einer Miene des Vvrwnrfs auf nud ging in die Küche; dort stellte sie schnell und ohne freundliche Anordnung das Abendbrot auf den wachstuchbezognen Tisch, holte Bier aus dem Keller und rief nach den Männern. Karl hatte inzwischen die Reinschrift vollendet, räumte iu den Schrank, was nicht verstauben durfte, und eilte in die Küche, wo Vater nnd Schwester sich stnmm gegenüber saßeu.
Sie aßen auch zu dritt eiusam weiter; der Vater fing uvch ein, zwei mal an von seinem Neusten zn reden, mit einem kindlichen Eifer nn Linens verschlossenem Gesicht vorbei; da aber der Sohn hier keine Autwort wagte, schwieg auch er endlich.
Karl empfand heftig das Unrecht, das an der Schwester geschah, die müde vom vollendeten Tagewerk heimkam und dann noch der Männer versänmte Arbeit