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Maßgebliches und Unmaßgebliches
Lebensfreude, worauf die Jugend vor allen Dingen ein Recht habe. Wie poetisch es sei, daß sie über das Alter den Sieg gewinne. Und dann die Wehmut, die man der Wanda nachfühle, daß auch sie der Natur ihren Tribut zahlen müsse. Denke dir, Elsa brauchte wörtlich die Phrase- „Der Natur ihren Tribut zahlen." Wie rührend das alles sei!
,,Der Natur ihren Tribut zahlen," wiederholte ich für mich. Ich hätte viel darum gegeben, wenn sich meine Schwester wenigstens nicht durch diese Phrase herabgesetzt hätte. Ich sah sie an — noch immer das alte gütige Gesicht.
Elsa — entgegnete ich, so weich und sanft, wie es mir nur möglich war. — Elsa, wir »vollen uns einigen. Wir sind gar nicht die Parteien, wir erfahren nur die Ehre, die ewigen, natürlichen Gegensätze unsrer Geschlechter vorzustellen. Und die siud es allein, die ihre Meimmgeu austauschen. Aber das kannst und mußt auch dn als Frau zugeben, daß Geschichten dieser Art einen Hohn auf die Kunst darstellen, daß sie unsittlich wirken, weil sie das Leben als eine Reihe von Unterhaltungen darstellen, weil sie nur das Vergnügen und niemals die Arbeit ideali- siren, weil sie nur die kleinen Herzenskonflikte und die kleinen Leiden der Gesellschaft, nicht aber die ernsten Kämpfe kennen, bei denen es sich lohnt gerührt zu sein, weil sie Beweggründe und Ziele als berechtigt und sittlich hinstellen, die eigentlich verwerflich sind, die . . .
Ich hätte gern noch mehr gesagt, aber die Arme sah mich mit ganz erschrocknen Angen an, als teile sie mit einem Wahnsinnigen die Zelle.
Ich mußte einlenken.
Elsa — tröstete ich — sei munter! Es kam uur so heraus. Von meinem Standpunkte glaube ich freilich auch jetzt noch recht zu haben. Aber wer weiß, vielleicht dächte ich so wie dn, hieße ich Elsa, trüge Unterröcke und hätte ich ein so sanftes Gesicht und eine so reizende Theeschürze, wie du.
Ich »ahm alles zurück und flüchtete mich hierher, das verwünschte Zeitungsblatt in der Hand.
Bester Freuud, so schloß Gersried seine Bekenntnisse, das ist das Furchtbare bei dieser Weiberlitteratur. Mäuuer uud Frnueu, wir verstehen uns nicht mehr!
Timm Aröger
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Weisheitslehrer. Männer, die unter dem Volke umhergeheud, dessen Denke» aufzuklären und auf ein Höheres zu richten bestrebt waren, sind zuerst Philosophen genannt worden. Als sie fanden, daß die Masse schwer von Begriffen und durch geistige Interessen schwer zu erregen sei, haben sie sich mehr und mehr auf einen Schülerkreis zurückgezogen, der immer enger wnrde, und zuletzt ist aus der Philosophie eine aus spitzfindigen Denkkunstflückchen bestehende, in unverständlicher Sprache vorgetrcigue Fachwissenschaft geworden. Die Folge davon war, daß in einer Zeit, der es weder an gewinnbringenden noch an stürmisch aufregenden Interessen fehlt, zuletzt auch dem kleinsten Symmystcnbundc die Rekruten zn fehlen begannen, und daß die Philosophen, wenn ihre Wissenschaft nicht zu einer bloßen