Spuren im Schnee
Eine Winternovelle von Sophus Banditz Antorisirte Übersetznng von Mathilde Mann (Fortsetzung)
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ls der Leutnant mn nächsten Morgen ansing aufzuwachen, dauerte es eine ganze Weile, ehe er sich darauf besinnen konnte, wo er war, und als er sich eudlich klar darüber geworden war, konnte er sich nicht eines Gefühls von Verlegenheit erwehren, und zwar aus ver- schieduen Gründen — namentlich aber bei dem Gedanken an die bevorstehende Ankunft des Doktors. Er kam indessen schnell in die Kleider, ehe es noch ganz hell geworden war, und ging hinunter in das Eßzimmer.
Da stand Fräulein Harriet, groß und kräftig, den Rücken ihm zugekehrt; es lag Poesie über diesem Rücken! Sie wandte sich um — aber war sie es denn wirklich? Ja, die Züge waren es, und schön mnßte man sie nennen; aber wo war der wunderbare Ausdruck strahlenden Lebensglücks, wo war der Blick, der einem bis auf den Grund der Seele drang, und hinter dessen äußerstem Glanz einen gleichsam etwas noch schöneres erwartete?
Höflich aber kalt und zurückhaltend erwiderte sie den Gruß des Leutnants, sie beeilte sich, ihm zu sagen, daß ihre Schwester ihr schon erzählt habe, welchen Zweck er mit seinem Besuch verfolge, und unterhielt ihn dann, zwar durchaus korrekt, aber unverkennbar nur aus Pflichtgefühl.
Jetzt köunte ich eigentlich gleich wieder abreisen, dachte der Leutnant, die Novelle hat einen jähen Abschluß gefunden!
Aber er blieb trotzdem. Teils weil er sich sagte, daß Fräulein Harriets Nichtübereinstimmung mit dem Bilde, das er sich nach der Photographie von ihr gemacht hatte, ja zufällig, momentan sein könne — vielleicht würde sie plötzlich diese Verkleidung abwerfen und eine ganz andre werden; teils weil er, ohne sich vielleicht selber klar darüber zu sein, doch eiu gewisses Interesse für das eingemauerte Manuskript empfand — nicht das fachmännische Archivarinteresse, das der Doktor hatte, sondern ein historisch-romantisches, das mit der Larsleisträde, mit dem Mittelalter, den Spuren auf dem Boulevard, dem Jermerstnrm in Zusammenhang stand.