Praxiteles
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Polizei, denn eine solche giebt es in der Regel nicht, sondern aus Angst vor übler Nachrede, da hier alle Menschen bekannt sind. Geht man auf der Straße, so muß man in jedes Fenster hineingrüßen, wo gewöhnlich eine alte Dame sitzt und wiedergrüßt. Man muß auch jeden grüßen, dem man begegnet, denn alle diese stillen Menschen denken darüber nach, was sich im allgemeinen und im besondern schickt. Wer das Maß überschreitet, das seinem Stand oder seiner Stellung gesetzt ist, verliert seinen guten Ruf, denn man kennt ihn und seine Voreltern und forscht dann, ob sich in der Familie schon früher etwas unschickliches gezeigt habe. — Das ist ans dem Eingang znm „Fischermädchen." Einladend, nicht wahr? Und noch eins zum Schluß! In diesen Geschichten finden sich keine Schlüpfrigkeiten, in denen die neuesten norwegischen Erzähler ihre Erfindungskraft erschöpfen. Wir sehen also aus dem Jugendwerk des Meisters, es geht auch ohne das, und so zeigt sich anch hier wieder, wie so oft, dem Neuen das Alte überlegen.
Praxiteles
chon lange vor der Auffindung des Hermes in Olympia war der Name Praxiteles im großen Publikum oder doch bei den Mensche», die für Werke der bildenden Kunst Verständnis haben oder dafür wenigstens äußeres Jnteresfe zeigen, der geläufigste unter allen Künstlernamen des klassischen Altertums. Man machte sich wohl eine dunkle Vorstellung von dem erhabnen Phidias, dem strengen Polyklet und dem realistischen Erzbildner Lysippos, man kannte auch die Anekdoten, die die antiken Schriftsteller von Zenxis, Parrhasios und Apelles überliefert haben, aber populär, d. h. im Mnnde der Leute, die über Kunst nachdachten und darüber sprachen, war eigentlich nur Praxiteles. Es darf jedoch nicht verschwiegen werden, daß besonders in unsrer Zeit das Verhältnis des griechischen Bildhauers zu jener Frauengestalt, deren Name im Laufe der Jahrhunderte bei allen Kulturvölkern ein Gattungsbegriff geworden ist, wesentlich zu seiner Popularität beigetragen hat, und wohl alle berühmten Venusstatuen, die aus altem Besitz und aus neuen Ausgrabungen öffentlichen Museen und Privatsammlungen zugewachsen sind, hat man daraufhin gemustert, ob doch nicht die eine oder die andre die Gestalt der Phryne enthalte, die Praxiteles als Modell gedient hat. Man hat sich dabei in dem weiten Kreise bewegt, der durch die kapitolinische Venus, die Venus von Milo und die Medieeerin umschrieben ^vird, und wenn auch von der letzten allmählich der Nimbus gefallen ist, mit dem sie Enthusiasten aus allen Ländern seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts umgeben haben, so ist doch die melische Venus bis vor kurzer Zeit noch eine ernsthafte Bewerberin um den Ruhm geblieben, einem Urbilde des Praxiteles nahe zu stehen. Vor der Forschung unsrer Tage hat von diesen
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