Paul Lang als Erzähler
Von Rudolf Aßmus in München
o Verging der Sonntag leis und sachte, wie die Blüte, wenn sie vom Baum ins hohe Gras sinkt. — Es wäre allzukühn, dieses zarte Bild auf das Leben und den Tod des stattlichen Mannes zu beziehen, dessen Feder es entflossen ist. Wohl aber dürfen wir damit die stille, keusche Muse des entschlafnen liebenswürdigen Erzählers einführen. Denn es ist uns darum zu thun, ohne weiteres ein Zeugnis für die dichterische Ader Paul Längs zu gewinnen. Der Mann, der das zarte Weben der Schöpfung so fein erfassen konnte, mnß wenigstens ein Künstlerauge gehabt haben; und wer ihn im Leben gekannt hat, der weiß wohl auch, daß sein Blick viel von dem eines beobachtenden Mälers hatte, zugleich aber auch sofort die Tiefe einer starken und reichen Phantasie zu erkennen gab.
Selbstverständlich dürften wir nichts aus diesem Bilde schließen, wenn es, was nicht der Fall ist, vereinzelt dastünde. Auch darf man nicht daraus entnehmen, daß sich Paul Lang etwa zum Süßlichen geneigt habe. Er zeigt im Gegenteil bei der Verwendung solches poetischen Schmucks überall, daß er das Kraftvolle so glücklich zu fassen weiß wie das Zarte, das Launige so sicher wie das Tiefernste. „Wenn der Wind, der den Wald durchbraust, sich schon zu legen begiunt, wirft er die halbwüchsigen schlanken Stämme immer noch stark hin und her." So zeichnet er die Nachgärung der französischen Revolution in den jungen deutschen Köpfen um das Jahr 1800. Solche gelungnen Bilder verraten schon, daß man Paul Lang den guten Naturdarstellern unter den Dichtern wird zugesellen können. Gewitterschilderungen z. B., wie die in seinem Bildhauer von Kos, suchen wohl ihresgleichen; man empfindet beim Lesen die Gewitterstimmung geradezu auf der Haut. Meisterhaft werden von ihm die Naturvorgänge in die Handlung verflochten. Daß ihm in dieser Richtung auch die Lösung der schwierigsten Aufgaben gelingt, dafür liefert den Beweis die Stelle in der Erzählung „Im Nonnenämtlein," wo er die nach rückwärts wie nach vorwärts groß angelegte Spannung durch die ungezwungne Einflechtung einer ?ata morZWÄ geheimnisvoll steigert. Dieselbe Meisterschaft zeigt Paul Lang in der Schilderung der Landschaft. Er läßt sie gewandt mit