Theodor von Bernhardt als Nationalökonom
nter den Schriften Theodor von Bernhardts ist keine so unbekannt als seine Nationalökonomie, und doch übertrifft keine seiner andern Arbeiten, so trefflich sie auch sind, dieses Werk an Bedeutung. Der Titel dieses wenig bekannten Buches, auf dessen Inhalt wir hier näher eingehen, lautet: Versuch einer Kritik der gründe, die für großes und kleines Grundeigentum angeführt werden; es ist ^ Jahre 1849 in der Druckerei der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Zu Petersburg gedruckt.
In seiner 1874 erschienenen Geschichte der Nationalökonomik hat Röscher W richtiger Würdigung das Unzureichende des Titels hervorgehoben, es heißt ort: „Unter so bescheidnem Titel verbirgt sich eine Fülle tiefgehender Unter- luchungen über die allgemein wichtigsten Fragen: ob der Eigennutz hinreiche öur Deutung uud Regelung der Volkswirtschaft, ob die Steigernng des soge- uannteu reinen Volkseinkommens immer als ein Glück zu betrachten, ob die Volkswirtschaft Naturgesetzen unterworfen sei und dergleichen mehr. Das ^anze gehört zum Besten, was gegen die Einseitigkeiten des Smithianismus, ^ehr noch des Ricardismus geschrieben ist." Die scharfe Stellungnahme ^ernhcirdis gegen Kapitalismus und Manchestertheorie ist richtig, weniger ^'cht wird man Röscher geben können, wenn er meint, Bernhardis Werk Würde, wenn es heute erschiene, gewiß von den meisten zur kathedersvziali- ^schen Richtung gerechnet werden, während er selbst es zu den historischen ^hlt, weil es bemüht ist, „die entgegengesetzten Ansichten über große und ^ eine Güter auf ihre Quelle zurückzuführen, nachzuweisen, von welcher Ansicht ^ menschlichen Diuge überhaupt sie ihrer Natur nach abhängen, mit der sie "lso stehen und fallen müssen."
Grenzboten IV 18S8 lg'