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Wilibald Alexis : ein Gedenkblatt zum hundertsten Geburtstag des Dichters (29. Juni 1898) : (Schluß)
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Studiosus Müller

Werkeden brennenden Schmerz noch blutender Wunden." Eben darum muß das Andenken an diesen Dichtcrkämpfer in den Annalen unsrer nationalen Geschichte unauslöschlich verzeichnet sein, und wenn er Zeit seines Lebens mit Neid auf des Schotten Schicksal sah, den sein Volk vergötterte und mit Ehren überhäufte, weil er ihre Vergangenheit poetisch verklärt hatte, so mag die hun­dertste Wiederkehr seines Geburtstags Preußen und Deutschland an seine Pflicht diesem Dichter gegenüber erinuern. Erfreulicherweise wird das Gefühl für diese Ehrensache des Vaterlands in weitern Kreisen der Besten uusers Volkes wieder wach. Der jüngst erlassene Aufruf, zu Ehren Härings in seinem letzten Wohnort Arnstadt ein Denkmal zu errichten, spricht dafür. Aber auch das Volk hat ihn nicht ganz vergessen; an den Wachtfeuern des Feldlagers klang 1870 aus dem Munde unsrer märkischen Jnngen voller Lust das echte Volkslied Wilibalds Fridericus Rex, und noch hente singt man es in den Kasernenstuben.

In ihrem ganzen Bestände werden seine Werke schwerlich die Zukunft überdauern. Darum ist nichts herzlicher zu wünschen, als daß, was schon Gustav Freytag forderte, sich ein Mann fände, der das Beste aus Alexis mär­kischen Geschichten zu einem echten Volksbuche zusammenstellte.

Otto Tschirch

Studiosus Müller

r hieß in Wirklichkeit anders, cibcr ich nenne ihn so, weil ich nicht weiß, ob nicht noch Verwandte von ihm leben, denen etwas in diesen Mitteilungen unlieb sein könnte. Sie ober deswegen ganz zu unter­lassen wäre schade gewesen, da sie von einer sehr originellen Persön­lichkeit handeln.

Wir lernten uns vor beinahe vierzig Jahren in Erlangen kennen, in derselben Verbindung; er war Brandfuchs, als ich einsprang. Es war eine Burschenschaft. Er war Burschenschafter aus Überzeugung und «ach lange vorher gefaßtem Entschluß, und er war dorthin gekommen, weil es nur in Süd- dentschland wirkliche Burschenschaften gäbe; ich wollte eigentlich zum Korps, änderte aber meinen Entschluß infolge äußerer Umstände, hauptsächlich auch, weil ich von ihm gekeilt wurde, und löste später mein Verhältnis zu der Burschenschaft.

Wir waren Landsleute. Sein Vater war hannoverscher Offizier, Stadtkom­mandant in einer kleinen Garnison, sein Bruder war Leutnant; mit beiden stand er schon als Ghmuasiast iu einem andauerudeu Standes- und Priuzipieukampfe, weil er nicht Offizier werden, sondern studiren wollte. Seine Familie war konservativ, er Demokrat, und zwar blutroter. Hannover nntcr Georg V. uud seinem Minister von Borries galt damals (1860) als der Sitz der strengsten Reaktion, gegen die mein Freund schon als Junge alle Register zog. Unter seinen Mitschülern spielte er die Rolle des Voltsfreundes, der er seine Stnndesvorurteile und Ansprüche zum Opfer gebracht hätte, uud er that sich darauf viel zu gute. Jurist konnte man mit seiner Gesinnung nach seiner Auffassung in seinem engern Vaterlandc nicht