Ungedruckte Briefe von Robert Schumann
Nach den (Originalen mitgeteilt von F. Gustav Iansen (Schluß) 14
An Carl Schumann in Schneeberg
Riga, den 6'«' Februar 1844 Dienstag Abends.
Mein lieber Carl,
Heute früh sind wir gesund und glücklich hier eingetroffen nach einer durchaus nicht beschwerlichen Reise, daß wir jetzt lachen müssen, wie man sich bei uns so grimmige Vorstellungen davon macht."') Dir alles zu erzählen, was wir unterwegs Interessantes alles gesehen und erfahren haben, wie freundlich und gastfrei wir hier aufgenommen worden, das kann ich heute nicht. Aber, sind wir wieder zurück, wollen wir einmal einen ganzen Abend darüber sitzen.
An unsere Kleineu denken wir mit Sehnsucht — aber sie sind ja so gut bei Euch aufgehoben und wir werden uns mit des Himmels Willen (zu Juli) ja bald wiedersehen. Wie frene ich mich, wenn wir an Dein Haus vorgefahren kommen und die kleinen Engel uns entgegenlachen. Vielleicht sind wir schon Ende April zurück — vielleicht gehen wir aber von Petersburg auch noch nach Stockholm, und dann würden wir erst Ende Mai zurückkommen. Du erführst es Alles noch genau von Petersburg aus.
Concerte haben wir in Königsberg zwei gegeben; hier werden auch zwei sein, nächsten Freitag und Dienstag wahrscheinlich. Nach Allem, was ich höre, glaube ich wohl, daß sich in Rußland sehr viel verdienen läßt, aber auch viel verzehren. Das Geld fliegt wahrhaft aus den Taschen. Es ist Alles um das Doppelte beinahe theurer als bei uns. In Petersburg um das Vierfache.
Clara liegt eben auf dem Sopha, sehr ermüdet von den Anstrengungen
^) Schumann hatte sich nur schwer zu der russischen Reise entschlossen. „Es graut ihm vor dieser Reise, schrieb Clara nm 7, Januar 1844 nn Lißt, vielleicht verstunden Sie es, ihm die Sache von einer etwas freundlicheren Seite vorzustellen."