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Was ist Glück? : Eine überflüssige Betrachtung
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was ist Glück?

Line überflüssige Betrachtung von Gustav Rleinert

eder, der einmal in Sekunda gesessen hat, nm sich in heiligem Ernst ans den zukünftigen Reservelentnant vorzubereiten, hat wahrscheinlich auch über das Goethische Wort einen Aufsatz schreiben müssen: Alles in der Welt läßt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen. Der Satz impouirt jedem Sekundaner, weil ihn der Inhalt stutzig macht. Er würde auch nicht so recht an die Wahrheit dieses Satzes glauben, wenn es Goethe nicht selbst gesagt hätte. Und in der That, es gehört schon eine tüchtige Portion Idealismus insonderheit Sekundaner- idealismus dazu, um wirklich eine Reihe von schönen Tagen nicht mehr ertragen zu können. Ich hatte wenigstens schon als Sekundaner so ein dunkles Gefühl für das, was ich die Herren Schulmeister später häufig habe anssprechen hören, daß nämlich der Schulunterricht eine unangenehme Unterbrechung der Ferien sei, ein Satz, der jedenfalls in schreiendem Gegensatz zn jenem Goethischen Diktum steht: die Herren haben die Reihe von schönen Tagen, selbst wenn sie sich bis auf fünf Wochen Ferien beliefen, ziemlich gnt ertragen. Trotzdem aber stellten die Herren Schulmeister mit besondrer Vorliebe gerade nach den Ferien das Thema von der Unerträglichkeit der schönen Tage. Die Sekundaner mußten also im Schweiße ihres Angesichts einen Satz beweisen und die unglanblichsten Gründe dafür herbei­schleppen, über die die Herren Schulmeister dann bei der Lektüre stillvergnügt lächelten.

Das Paradoxe, das Verblüffend-Halbwahre hat ja bekanntlich etwas viel Be­stechenderes, es nimmt sich viel blendender, viel poetischer aus als eine nüchtern platte Wahrheit. Absolute Wahrheiten giebt es ja auch gar nicht, nicht einmal in der Mathematik, deuu kein Mensch kann ohne Einwand beweisen, daß zwei mal zwei vier ist, oder daß zwei Größen einer dritten gleich sind, wenn sie untereinander gleich sind. O, ich weiß sehr wohl, daß die Herren da mit ihren Fachkenntnissen über mich herfallen können, aber es ist dumm, sehr dumm, die Geschichte von den sogenannten Axiomen, die kein Mensch beweisen kann, also die Mathematiker auch nicht. Ich bleibe dabei, es giebt keine absoluten Wahrheiten, vielleicht eine ein­zige die ist aber anch darnach, daß wir alle einmal sterben müssen, die Mathematiker miteinbegriffen. Sicher, absolnt sicher ist das aber auch uoch nicht, und möglicherweise drückt sich doch noch hier und dn einer herum und thut mir sv, als wenn er auch mitstürbe.

Aber aus dem berühmten Goethischen Satze können wir doch wenigstens den landläufigen Gedanken herausschälen, daß das Glück nicht außer uns, sondern in uns liegt, das Glück, ein abstrakter Ausdruck für eine ganz konkrete Sache: das Glück besteht eben in einer Reihe von schönen Tagen. Wir selbst machen uns glücklich oder unglücklich, diese große Wahrheit steckt schon in dem banalen Sprich- Grenzboten III 1M8 30